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“No”: eine brillante und optimistische Kampagne als Anstoß einer Revolution

"No" campaign logo. Released to public domain.

Logo der Kampagne “No”. Public Domain. 

Augusto Pinochet, Rädelsführer des Militärputsches in Chile 1973, hat seine Macht 1988 an der Urne verloren. Er ist der einzige Diktator in der Geschichte, der eine Wahl organisiert hat, um über seine politische Zukunft entscheiden zu lassen, und demokratisch abgewählt wurde. Wie immer in der Politik gab es Wahlkampagnen sowohl auf Seiten der Unterstützer als auch auf Seiten der Gegner. Die Ja-Sager warben für die Wiederwahl Pinochets, die Nein-Seite wollte die Militärdiktatur beenden. Auch noch heute kommt es einer Herkulesaufgabe gleich, öffentlich eine Botschaft zu verbreiten, die gegen ein die Medien kontrollierendes Regime gerichtet ist. Aber die Kampagne “No” (“Nein”) verwendete eine optimistische Botschaft und vollzog einen totalen Richtungswechesel als es darum ging, die Gräueltaten und schmerzhaften Fragen nach den Menschenrechten zu präsentieren. Dadurch wurde die Kampagne zu einem Antreiber der Revolution.

Der Film “No” [fr] von Pablo Larraín, 2012 uraufgeführt, erzählt – wobei es keine Dokumentation ist – die Geschichte der Abstimmung über Pinochet vom 5. Oktober 1988 aus einer positiven Perspektive. Die Hauptfigur, René Saavedra (Gael García Bernal), ein brillanter junger Werbefachmann und Sohn eines geachteten Oppositionellen, ist im mexikanischen Exil aufgewachsen und kehrt nach Chile zurück. Sein Talent und die Geschichte seiner Familie führen dazu, dass José Tomás Urrutia (Luis Gnecco), der Kopf der Kampagne “No”, ihn bittet, an der strategischen und konzeptionellen Entwicklung der “Franja” mitzuarbeiten (so wurden die offiziellen 15-minütigen Fernsehsendungen genannt, die von allen Parteien zur Wahlwerbung genutzt wurden).

Zu Beginn wollten die Mitglieder der Concertación (ein Bündnis der Oppositionsparteien) die brutale Realität der Diktatur zeigen: die Morde, Folterungen und Verschleppungen. Damit wollten sie den Wählern die Augen öffnen und die öffentliche Meinung für sich gewinnen. René gelang es, die Opposition davon zu überzeugen, die Demokratie als etwas Erstrebenswertes und Attraktives zu zeigen, statt die finsteren Geschehnisse der Realität in den Vordergrund zu rücken. “No” wurde dadurch zu einer Kampagne, bei der es um die Freuden des Lebens in Freiheit ging. So hat das “No” Pinochet geschlagen.

Es wäre naiv zu glauben, dass allein die Werbekampagne den Dikator zum Sturz brachte. Es lohnt sich jedoch, die Idee hinter dieser Kampagne zu betrachten: beim Einsatz für unsere Rechte den Blick von dem Negativen, Dunklen und Schmerzhaften wegzurichten hin zur Hoffnung, Freude, oder sogar Humor, die die Zukunft bringen könnte. In den letzten Jahren wurden wir Zeugen zahlreicher revolutionärer Bewegungen in der Welt, wir haben aber auch viele Gewalttaten und Unrecht gesehen. Viele von uns sind an einem Punkt angelangt, wo sie genug von den – oftmals so entmutigenden – Nachrichten von Kämpfen haben. Zahlreiche Medienexperten wie Wendy Johnston und Graham Davy haben untersucht [en], wie dieser Überfluss an Bildern und Geschichten von Gräueltaten im Internet zu einem Gefühl von Apathie bis hin zu Machtlosigkeit führen kann. Es könnte entscheidend sein, neue Wege zu finden, um die Dringlichkeit des Strebens nach Frieden und Freiheit aufzuzeigen – zahlreiche Aktivisten tun dies bereits, und das mit großem Erfolg. Das humorvolle Video “No Woman, No Drive” [en] (eine Parodie auf das Lied “No Woman, No Cry” von Bob Marley) des saudischen Komikers Hisham Fageeh als Unterstützung für die Kampagne Women2Drive in Saudi-Arabien ist ein exzellentes Beispiel für diese Art von Einfallsreichtum. Syria Untold [en], eine Internet-Plattform, die den Fokus auf journalistische und kreative Projekte der gewaltfreien Bewegung in Syrien legt, ist ein anderes Beispiel.

Die traurige Wirklichkeit der Menschen, die sich solchen Situationen stellen, muss immer festgehalten und weit verbreitet werden, aber wir können diese Geschichten mit Humor, Hoffnung und einem positiven Ansatz fortschreiben, damit unser Planet den Wandel erfährt, den er so bitter nötig hat.

Vor Kurzem diskutierten der Co-Gründer von Global Voices Ethan Zuckerman und die GV-Redakteure Solana Larsen, Sahar Habib Ghazi und Ellery Roberts Biddle bei GV Face [en] über die näheren Umstände des “Journalismus der Lösungen”.

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