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Island trauert nach erstmaliger Tötung eines Mannes durch Polizei

Police in Reykjavik, Iceland

Polizei in Reykjavik, Island. Foto von Christopher Porter auf flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Dieser Artikel und ein Hörfunkbeitrag von Traci Tong für ‘The World’ erschien ursprünglich am 3. Dezember 2013 auf PRI.org [EN] und wurde als Teil einer Content Sharing-Vereinbarung wiederveröffentlicht.

Diese Woche erschien in Island eine noch nie dagewesene Schlagzeile — ein Mann war von der Polizei erschossen worden.

“Die Nation stand unter Schock. Das passiert in unserem Land nicht”, sagte Thora Arnorsdottir, Regionalredakteurin bei RUV, dem nationalen isländischen Rundfunkdienst.

Sie bezog sich auf den Fall eines 59-jährigen Mannes, der am Montag von der Polizei erschossen worden war. Der Mann, der auf Polizisten geschossen hatte, als sie sein Gebäude betraten, hatte eine Vorgeschichte von psychischer Erkrankung.

Seit dem Bestehen Islands als unabhängige Republik im Jahre 1944 war dies das erste Mal, dass ein Bürger von bewaffneten Polizisten getötet wurde. Die Polizei trägt üblicherweise nicht einmal Waffen bei sich. Gewaltverbrechen kommen in Island fast nicht vor.

“Die Nation will nicht, dass ihre Polizeikräfte bewaffnet sind, denn es ist gefährlich, bedrohlich”, so Arnorsdottir. “Es ist ein Teil der Kultur. Waffen werden benutzt, um auf Jagd zu gehen, aber man sieht nie eine Waffe.”

In Wirklichkeit ist Island nicht gegen Waffen eingestellt. Hinsichtlich des privaten Besitzes von Waffen rangiert Island weltweit auf 15. Stelle. Trotzdem war dieses Ereignis so selten, dass Nachbarn des getöteten Mannes die Schießerei mit einer Szene aus einem amerikanischen Film verglichen.

Die isländische Polizeibehörde teilte mit, dass die beteiligten Polizisten psychologische Betreuung erhalten würden. Zudem hat sich die Polizeibehörde bereits bei der Familie des Getöteten entschuldigt — obwohl sie nicht zwangsläufig falsch gehandelt hatte.

“Ich denke, es ist respektvoll”, so Arnorsdottir, “denn niemand will einem anderen das Leben nehmen.”

Es stehen immer noch eine Reihe von Fragen offen, einschließlich der Frage, weshalb die Polizisten vor dem Betreten des Gebäudes nicht versucht hatten, mit dem Mann zu verhandeln.

“Ein Aspekt des wunderbaren Lebens in diesem Land ist, dass man das Parlament besuchen kann und lediglich aufgefordert wird, das Handy auszuschalten, um die Abgeordneten nicht zu stören. Unser Premierminister oder Präsident wird nicht von bewaffneten Wachmännern begleitet. Dies ist ein Aspekt des wunderbaren Lebens in einer friedlichen Gesellschaft. Wir wollen dies nicht ändern.”

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