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Im Niemandsland: Entführungen von Journalisten in Syrien nehmen zu

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Die ANA New-Media Association hat mit einer Kampagne für die Freilassung von Syriens Medienaktivisten Rami Al Razzouk begonnen, nachdem Verhandlungen mit der syrischen Gruppe “State of Iraq and Syria” (ISIS) zum Stillstand gekommen waren. Der 25-jährige war am 1. Oktober auf dem Weg zu einem Bezirk in Syriens befreitem Raqqah, einer Stadt in Zentralsyrien, circa 160 Kilometer östlich von Aleppo, verschleppt worden.

“Die Verhandlungen haben am 2. Oktober begonnen, aber es wurde keine Einigung erzielt”, schrieb der stellvertretende Direktor von ANA, Rami Al Jarrah, in einer E-Mail. “Die Familie hat uns ihr Einverständnis dazu gegeben, eine weitreichende Kampagne für Rami zu starten.”

Source indicated in the photo

Fotoquelle: ANA New-Media Association

Al Razzouks Arbeit beschäftigte sich hauptsächlich damit, das in Raqqah ansässige Büro der Radiostation von ANA zu verwalten und Nachrichtenmeldungen für Übertragungen zu kuratieren. Dieses Büro wurde am 15. Oktober von “maskierten Männern” gestürmt, wobei “die ganze Ausrüstung, einschließlich Radioübertragungsgeräte, beschlagnahmt wurde und das Büro mit einer eindeutigen Drohung an den Besitzer des Gebäudes geschlossen wurde,” merkte Al Jarrah an.

In einem Update auf Facebook hat Radio ANA enthüllt, dass die Täter zur ISIS gehörten:

When asked about their identity, the masked men revealed to be elements of the “Islamic State of Iraq and Syria” (ISIS) and that they were carrying out a task ordered by the ISIS leadership.

Als sie nach ihrer Identität gefragt wurden, haben die maskierten Männer angegeben, zum “Islamischen Staat des Iraks und Syrien” (ISIS) zu gehören und einen Auftrag der Führung der ISIS ausgeführt zu haben.

Das Update schloss mit einem Plädoyer, das jeden dazu aufforderte, sich gegen die Straftaten der ISIS auszusprechen und bei der Befreiung von gefangengenommenen Journalisten mitzuhelfen:

The association stresses about the importance to take action immediately and work seriously inside and outside Syria to put an end to these practices and to hold those who commit such crimes responsible by implementing justice, whoever they are.

To whom this concerns, please join us in demanding the release of all Citizen journalists like Rami who have become the victims of extremism's crackdown on free media.

Unsere Vereinigung betont die Wichtigkeit, sofort zu handeln und ernsthaft innerhalb und außerhalb Syriens daran zu arbeiten, diesen Praktiken ein Ende zu setzen und diejenigen, die solche Verbrechen begehen, zur Verantwortung zu ziehen und vor Gericht zu stellen, um wen auch immer es sich handelt.

Wen dies angeht, bitte schließen sie sich uns an, die Freilassung aller Bürger-Journalisten wie Rami zu verlangen, die zu Opfern des extremistischen Durchgreifens auf die freien Medien geworden sind.

Dies war jedoch nicht das erste Mal, dass Rebellen der Redefreiheit im Wege standen. Die ANA hatte schon zuvor mehrere Drohungen erhalten, als sie über anti-konfessionelle Bedrohungen gesendet hatte, erklärte Al Jarrah.

Nach Al Razzouks Entführung berichtete Radio AlKul, dass Basel Aslan vom revolutionären Medienbüro (Revolutionary Media Office) von Al Raqqa während einer Berichterstattung über die Eid Al Adha-Feierlichkeiten von der Al Hai'h Al Sharia (Autorität der Scharia) attackiert worden war.

Diese Eskalation ist von höchster Bedeutung, wenn man bedenkt, dass Raqqah die erste von Rebellen befreite syrische Stadt war. Die ISIS ist jedoch dafür bekannt, auch in anderen Städten gewütet zu haben. Dies würde vermutlich auch erklären, warum der Chef der freien syrischen Armee General Salim Idriss die Verbrechen von ISIS in Aleppo verurteilte:

Die Ereignisse, die heute in Aleppo stattgefunden haben und im besonderen die Aktionen von ISIS, sind untragbare Missbräuche gegen die syrische Revolution.

Unterstützen die Syrer ISIS?

Offensichtlich sind viele Syrer empört über die Aktionen der ISIS, weil sie nicht die ursprünglichen Ziele der Revolution widerspiegeln, die überwiegend nach Freiheitsrechten verlangt hatte. Der syrische Blogger Maysaloon twittert seine Sicht der Dinge, während ein anderer Nutzer argumentiert, dass die ISIS-Aktionen das Bild von Bashar Al-Assads Regime im Westen verbessern würden:

ISIS gehört eingesperrt. Sie verdienen es nicht, für das syrische Volk zu kämpfen.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass sie genau wissen, dass ihre Aktionen sehr oft dazu beitragen, die Attraktivität des Regimes gegenüber der internationalen Gemeinschaft zu verbessern.

Sima Diab, bekannt für ihre überragende Arbeit mit syrischen Flüchtlingen, nennt sie Terroristen:

Ist es angemessen, ISIS & JAN “Rebellen” zu nennen. Das tut den echten Rebellen unrecht. Vielleicht ist es am besten, sie als das zu bezeichnen, was sie sind…Terroristen.

Obwohl die Ideologie von ISIS wahrscheinlich islamistischen Gesetzen gehorcht, ist Mohannad nicht einverstanden:

Ein paar Beispiele dafür, wie der Islam die Religion des Friedens für die Welt ist, nicht nur Muslime. (Genau das, was ISIS nicht macht)

Racan weist jedoch darauf hin, welches Schicksal sie erwarte, denn das syrische Volk, das sich gegen Bashar Al-Assads Regime erhoben hat, weigert sich, zum Schweigen gebracht zu werden:

Als Assad damit begonnen hat, Aufständische umzubringen, haben wir die Waffen gegen ihn erhoben. Jetzt, wo ISIS Aufständische umbringt, liegt der nächste Schritt auf der Hand…

Das große Ganze

Das Durchgreifen von extremistischen Rebellen gegen Journalisten, sowohl gegen einheimische als auch ausländische, schockiert viele nicht im Geringsten, denn solche Gruppen sind für Schikanierungen und Entführungen mit Lösegeldforderungen berüchtigt. Der Direktor von “Human Rights Watch – Emergencies” Peter N. Bouckaert berichtete in einem Interview mit “Syria Deeply” im Juni, dass die Entführungen vor allem begonnen haben, als “die Kämpfe in Aleppo ausgebrochen sind und sich seitdem zu einem breiteren Trend in vielen Teilen Syriens entwickelt und ausgebreitet haben.”

Gleichwohl sind viele Journalisten aus dem Ausland seit Ausbruch der Unruhen von Rebellen verschleppt worden. In einem Artikel, der Bedenken über mehrere vermisste Journalisten aufkommen lässt, berichteten die “Reporter ohne Grenzen”:

The number of foreign journalists who have been kidnapped in Syria since March 2011 is now 37, of whom 17 are still hostages, detained or missing. Syrian news providers are nonetheless the ones who have suffered most. More than 60 have been kidnapped or arrested by various armed opposition groups and more than 200 have been arrested by the regime.

Die Anzahl ausländischer Journalisten, die in Syrien seit Marz 2011 entführt worden sind, ist nun auf 37 gestiegen, wobei 17 noch immer in Geiselhaft, inhaftiert oder vermisst sind. Die syrischen Nachrichtenanbieter sind jedoch diejenigen, die am meisten gelitten haben. Mehr als 60 Personen sind von mehreren bewaffneten oppositionellen Gruppen entführt oder verhaftet, und mehr als 200 sind vom Regime festgenommen worden.

Anfang Oktober hat der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault enthüllt, dass zwei seiner Reporter, Nicolas Henin und Pierre Torres, seit 22. Juni weiterhin in Aleppo gefangengehalten werden. Die Zahl der verschleppten französischen Journalisten in Syrien verdoppelt sich somit auf vier.

Erst vor drei Tagen hat “Sky News Arabia” mit Sitz in Abu Dhabi dringend um Informationen über den Verbleib seiner dreiköpfigen Crew gebeten, die seit 15. Oktober in Aleppo vermisst wird. Samir Kassab, Ishak Moctar, und ein drittes Teammitglied, dessen Name aus Sicherheitsgründen unter Verschluss bleibt, werden vermisst, seit sie über den Konflikt aus humanitärer Perspektive berichtet hatten.

Manche jedoch leben, um ihre Geschichte zu erzählen. Dies ist der Fall von NBC-Korrespondent Richard Engel, der im Dezember 2012 für fünf Tage zusammen mit seinem Team entführt worden war. Er erklärte in einem Interview mit MSNBC, was ihm widerfahren ist:

Während sich die Berichte über Entführungen in Syrien häufen, glauben viele, es sei das Verschulden der Regierung, dass sich Syrien in einem Zustand völligen Durcheinanders befinde. Die syrisch-spanische Aktivistin und Professorin Leila Nachawati Rego twitterte:

Auf der Liste der Dinge, für die wir Assad zu danken haben, steht das Anstiften von Extremisten aus aller Welt, einen berechtigten Aufstand zu verschleppen, an erster Stelle.

Nicht nur Journalisten sind Opfer von Entführungen in Syrien, sondern auch Geistliche, Zivilisten und humanitäre Helfer, von denen viele in Leichentüchern zu ihren Familien zurückkehrten oder deren Schicksal weiterhin unklar bleibt.

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