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Indigene Einwohner fordern eine Untersuchung des Massakers in Nacahuil, Guatemala

San Jose Nacahuil, ein kleines Dorf in der Nähe von Guatemala-Stadt, welches überwiegend von Angehörigen der Maya – Kaqchikel Volksgruppe bewohnt wird, geriet am Wochenende weltweit in die Schlagzeilen, nachdem Bewaffnete am 7. September 2013 11 Menschen getötet und 28 weitere verletzt hatten.

Laut Medienberichten gelten korrupte Polizisten oder Banden als die Hauptverdächtigen für die Morde, die in zwei Wirtshäusern und nahegelegenen Straßen verübt wurden; es wurde jedoch bisher niemand verhaftet. Die Behörden bestätigten, dass sie vermuten, dass Banden darin verwickelt sein könnten [es].

Indigene Volksgruppen lehnen diese Hypothese der Regierung jedoch ab und verlangen eine Untersuchung, wie es in einer Pressemitteilung der Kaqchikel-Bevölkerung von San Jose Nacahuil und anderen Organisationen heißt:

Hiermit informieren wir die nationale und internationale Gemeinschaft über das Massaker an der Kaqchikel Bevölkerung von San Jose Nacahuil, welches sich am 07. September 2013 um 23 Uhr in der Gemeinde von San Pedro Ayampuc erreignete.

San José Nacahuil ist eine Gemeinde der Kaqchikel Ureinwohner mit eigenen Gemeindebehörden und die Anwesenheit der Polizei ist unnötig. Es ist das einzige Maya Dorf und die größte Gemeinde von San Pedro Ayampuc. Nacahuil hat sein Territorium bereits mehrmals gegen Bedrohungen von außerhalb verteidigt. Zum Beispiel hat die Gemeinde verhindert, dass das Stromversorgungsunternehmen TRECCSA ihr Gebiet durchquert, sowie die andauernden Aktionen in La Puya, wo friedlicher Widerstand gegen einen Bergbaukonzern geleistet wird.

Die Verlautbarung fährt fort:

Wir stellen uns nachdrücklich gegen die Aussage des Innenministers, welcher Banden verantwortlich macht, was komplett falsch ist. Es ist verfrüht, solche Aussagen zu treffen ohne eine Untersuchung eingeleitet zu haben.

Wir rufen Gemeinden, nationale und internationale Organisationen zur Solidarität mit den Kaqchikel Bewohnern von San José Nacahuil auf für diese Bluttaten, wegen derer die ganze Gemeinde trauert.

Die örtliche Presse aus San Jose Nacahuil [es] berichtete, dass lokale Gemeindevertreter bereits am 31. August 2013 die verstärkte Polizeipräsenz anprangerten und dass ihre Warnungen von Menschenrechtsbehörden ignoriert wurden. Lokale Berichte geben auch an, dass die Polizei nur wenige Stunden vor dem Massaker nach Namen und Ausweisen der in den Wirtshäusern Anwesenden fragten, was später vom Innenministerium bestätigt wurde.

Auf Twitter schrieb User @chapinesxGuate:

Die offiziellen Versionen müssen hinterfragt werden, bis sie bestätigt sind.

Und Reporterin Claudia Palma teilte das folgende Foto zwei Tage nach den Morden:

Einwohner von San José Nacahuil gehen zum örtlichen Friedhof.

Während die Untersuchung noch in der Schwebe ist und keine Verdächtigen bisher verhaftet wurden, wartet die Gemeinde auf Antworten, während die Angst wächst.

Die Einwohner der Gegend sind jedoch mit Gewalt vertraut; die Konflikte in Zusammenhang mit dem Bergbau haben an Komplexität zugenommen, und Aggression hat sich zu zunehmenden Bedrohnungen und körperlicher Gewalt weiterentwickelt. Während die Gemeinde sich bemüht, ihr Territorium frei von Bergbau und Militarisierung zu halten, stellt das Beschuldigen von Banden und Drogenbaronen eine neue Bedrohung für auf dem Land lebende indigene Aktivisten dar, da dies als Entschuldigung zur Rechtfertigung von Akten der Unterdrückung verwendet werden könnte.

Die Menschenrechtsorganisation “FrontLine Defenders” berichtete über zwei aktuelle Fälle:

Am frühen Morgen des 10. Juli 2013 wurden mehrere Schüsse vor dem Haus von Telma Yolanda Oquelí Veliz del Cid abgefeuert, Vorsitzende der Frente Norte del Área Metropolitana (FRENAM – Nordfront des Ballungsgebiets), einer Bewegung von Gemeindemitgliedern, die das Land in San José del Golfo und San Pedro Ayampuc, im Bezirk Guatemala, gegen die Expansion von Bergbauaktivitäten verteidigen. Der Vorfall ereignete sich kurz nach der Ermordnung des Menschenrechtsaktivisten Santos Fidel Ajau Suret, als er von der Teilnahme an einem friedlichen Sitzprotest gegen ein Bergbauprojekt im Dorf La Puya zurückehrte.

Die Menschenrechtsorganisation “Rights Action” schrieb weiter über den Widerstand der Gemeinde gegen den Bergbau:

Seit März 2012 haben guatemaltekische Mitglieder der Gemeinden von San José del Golfo und San Pedro Ayampuc die Aufhebung der Ausbeutungs-Lizenz des amerikanischen Bergbaukonzerns “Kappes Cassidy and Associates” (KCA’s) für die Tambor Bergregion (welche ursprünglich im Besitz und Gebrauch des kanadischen Bergbaukonzerns “Canadian mining company Radius Gold Inc.” war) gefordert. Während der letzten 16 Monate haben die Teilnehmer an der Straßenblockade oft gewalttätige und systematische Unterdrückung durch den Bergbaukonzern, dem Bergbau positiv gegenüberstehende Gemeindemitglieder und die Regierung erlitten.

Die Menschenrechtsorganisation “International Peace Brigades” veröffentlichte [es, PDF] einen Bericht über den friedlichen Widerstand in La Puya, einer Gemeinde, der es gelang, der Militarisierung und Polizeikontrolle ihres Dorfes zu widerstehen, indem sie ihre eigene Polizeitruppe gründeten.

Indigene Organisationen haben eine Petition bei der Inter-Amerikanischen Kommission für Menschenrechte (IACHR) eingereicht, in welcher sie behaupten, dass die guatemaltekische Regierung den Bergbausektor offen unterstützt und schützt, indem sie Gesetze erlässt, die auf unfaire Weise diesen Industriezweig begünstigen.

Die Menschenrechtsorganisation “Rights Action” drückte ihre Sorge aus, dass Gewalt und Unterdrückung zur Verteidung der Interessen der Bergbaukonzerne die Standardvorgehensweise in der Region werden:

Im Lauf der letzten Jahre gab es allein in Honduras, Guatemala und El Salvador mehrere Morde, eine Vielzahl von bewaffneten Angriffen, Gruppenvergewaltigungen und andere Akte der Unterdrückung gegen ortsansässige Bürger, die alle in Verbindung mit kanadischen/amerikanischen Bergbaukonzernen stehen: Hudbay Minerals, Goldcorp Inc, Pacific Rim, Tahoe Resources, Radius Gold, KCA Associates,

Diese Gewalt und Unterdrückung wird sicher fortbestehen, bis nordamerikanische Bürger genug Druck auf unsere Regierungen, Medien, Firmen und Investoren ausüben, um sie rechtlich und moralisch für diese Schäden und Verstöße zur Rechenschaft zu ziehen.

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