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‘The Worst Tours’ zeigt die dunklere Seite von Portugals Top Reiseziel

Durch Lonely Planet als Top 10 europäisches Reiseziel für 2013 bezeichnet, ist laut dem Reiseverlag die Stadt Porto, im Norden Portugals, als eine “lebendige Kunsthauptstadt, die zu Recht sehr viel Aufmerksamkeit als hochwertiges Reiseziel bekommt” augetaucht. Aber es gibt mehr zu sehen in dieser malerischen Stadt, die als Weltkulturerbe der UNESCO gilt, als aromatische Weine und gastfreundliche Menschen und gutes Wetter.

Während die instabile Wirtschaft des Landes den Geldstrom der ausländischen Besucher Willkommen heißt, sieht der normale Tourist oft nicht viel vom Alltagsleben der Menschen, die in Zeiten der Entbehrungen leben.

The Worst Tours ist ein kleines Reisebüro für diejenigen, die über die sonnige Oberfläche Portos, die zweitgrößte Stadt Portugals, hinauschauen wollen:

Die Entbehrung hat die Wirtschaft ermordet. Drei arbeitslose Architekten, Opfer dieser Krise, weigern sich die Stadt zu verlassen und entscheiden ein Reisebüro, das außergewöhnliche Touren zu Fuß organisiert, zu eröffnen. Die beiden Seiten Portos: die Gute und die Schlechte: Architektur, Geschichte, Politik, Urbanismus, preiswertes Essen und Gerüchte.

Wir werden Ihnen die Gassen, die verlassenen Gebäude, die Plätze, die Hauptstraßen, die alten Märkte, die billigen ‘Tascas’ mit scharfen Petiscos, die Geschichten, die sich dahinter verstecken, zeigen, und wir werden interessante Diskussionen über die Ansichten verschiedener Menschen führen.

They make fun of statements by Portuguese politicians, such as “lower your expectations” or “live within your possibilities” by using then out of context as slogans for their tours. In an interview for Sustanability Stories they say that “de-constructing the dominant speech requires a certain dose of surrealism. Sometimes taking a slogan out of its context is enough to empty it. ”

The Worst Tours macht sich über Kommentare portugiesischer Politiker lustig – wie “verringert eure Erwartungen” oder “lebe in deinen Möglichkeiten” – indem sie sie als Slogans für ihre Touren benutzen.

The Worst Tours bringt Touristen an Orte, die einen Eindruck davon geben, wie die Wirtschaftskrise das Leben der Menschen in Portugal dramatisch verändert. In einem Interview [en] für den Sustainability Stories Blog, sagen sie, dass eine ihrer beliebtesten Touren durch die typischen “Inseln” Portos führt, eine Art Wohngemeinschaft, die “mit der Industrierevolution entstand, als eine Lösung, um die billigen Gastarbeiter, die in die Stadt kamen, unterzubringen”. Sie erklären auch, dass es ihr Ziel ist, “eine Stadt zu zeigen, die obwohl sie eine Ruine ist, eine schöne Ruine ist”:

Es ist leicht die Krise zu sehen: die Stadt zerfällt wegen der Entbehrungen, sie ist verlassen, leer, es gibt Armut… und sie hat sehr interessante Gebäude und auch Plätze. Sie hat Kontraste: sie ist keine Postkarte, nicht einmal eine Illustrierte. Wir glauben, dass das Wort “Tourismus” ein beschädigtes und kommodifiziertes Wort ist. Reisen heißt selber die Orte, die man besucht, zu  begreifen, und jenseits der widerspruchlosen, sauberen und glitzernden Touristenrundgänge zu gehen.

Flyer with some of The Worst Tours prepared.

The Worst Tours Flyer

Global-Voices-Autor Stanislas Jourdan hat die Stadt besucht und war sehr berührt von dem stagnierenden Immobilienmarkt, dem Mangel an Chancen für die Menschen während die Arbeitslosigkeit nur zunimmt und von der Zahl der Auswanderer (“die Stadt Porto hat seit den 1990ern 65,000 Einwohner verloren”, sagt er). Nach einer “Worst Tour”, schrieb er in seinem Blog über “Porto, eine zu werdende Geisterstadt”:

Die ersten Stunden meines Aufenthalts in Porto hinterließen einen sehr guten Eindruck der Stadt. Ich konnte die Schönheit der Stadt und ihre tollen Brücken aus dem Zug oder von der tollen Terasse, wo ich einen Halt machte, bevor ich einen anderen Bus nach Lissabon nahm, bewundern. Aber es gab eine dunkle Seite der Stadt, die ich erst am Tag nach meiner Ankunft bemerkte.

Mehr als irgendwo anders in Portugal, wird Porto langsam eine Geisterstadt. In jeder Straße gibt es dutzende leere Häuser mit kaputten Fenstern oder “zu verkaufen” Schildern an den Wänden. Viele dieser Häuser stehen schon seit Jahrzehnten zum Verkauf und es ist nicht außergewöhnlich Ruinen in der City zu finden. Gemäß Zahlen des Jahres 2011, sind 12.7% aller Häuser der Region Porto unbewohnt, und in der Stadt Porto sind die Zahlen noch höher, 18.8%.

"Bleeding houses grafitti against state violence". On July 2013, the mayor violently threw away poor people from their homes at the Fontaínhas neighbourhood, then "someone" painted solidarity grafittis on their abandoned houses.  They have been put on "social housing" with no River Douro Views ("river views" are not allowed to poor peolpe, say the preachers of liberalism)

“Grafitti blutender Häuser gegen Staatsgewalt”. Im Juli 2013 setzte der Bürgermeister Portos Bewohner des Viertels Fontainhas auf die Straße, dann sprayte “jemand” Solidaritätsgrafitti auf die verlassenen Häuser. Seitdem wurden die Bewohner in “Sozialwohnungen” untergebracht, ohne Blick auf den Fluss Douro. Besuche die Facebook Seite von The Worst Tours, um mehr Photos zu sehen.

Leute aller Altersgruppen, seien es Aktivisten oder auch nicht, die aus den verschiedensten Ländern wie Australien, Thailand und Deutschland kommen, die einfach nur die Stadt aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen möchten, haben sich The Worst Tours angeschlossen. Dies war auch der Fall von Eva V., die nach einer Reise nach Porto folgendes in ihrem Blog schrieb:

wenn du alternative Touren magst und diesen arbeitslosen Architekten helfen möchtest, besuche ihre Webseite und buche eine Worst Tour! Enttäuschung garantiert. ;-)

Man kann ein Interview mit The Worst Tours in Englisch auf dem audio Portal der deutschen Communityradios hören, oder auch  auf dieser Karte, von Global Voices in einem Workshop für deutschsprachige Moderatoren erstellt, die mehr Geschichten über kreative Alternativen gegen die europäische Wirtschaftskrise, mit speziellem Blick auf die südlichen Länder, erzählen wollen. Das Radioprogramm wurde auf dem Free Radios Camp erstellt und am 9. Mai 2013 live vom Ufer des Bodensees gesendet.

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