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“Die Welt freut es, dass Assad weiterhin Syrer tötet”

Alle Links in diesem Artikel führen, soweit nicht anders gekennzeichnet, zu englischsprachigen Webseiten.

Syrian protesters carry banners calling for international action against the Assad regime in Kafranbel, Idlib, in northern Syria. Image by Majid Almustafa. Copyright Demotix August 30, 2013

Syrische Demonstranten halten in Kafranbel, im nordsyrischen Idlib, ein Plakat, das zum internationalen Handeln gegen das Assadregime aufruft. Foto von Majid Almustafa. Copyright Demotix, 30. August 2013

Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers Überleben in Syrien.

Syrien hat soeben bekannt gegeben, dass es sich bereit erklärt, sein Chemiewaffenarsenal unter internationale Kontrolle zu stellen – um es dann zu vernichten, so ein Deal, der von Russland vorgeschlagen wurde. Aktivisten sehen darin eine Taktik, mit deren Hilfe der syrische Präsident Bashar al-Assad Zeit gewinnt, um weiterhin Menschen mit all den anderen Waffenarten umzubringen, die ihm zur Verfügung stehen.

Der Deal hat zum Ziel, einen US-amerikanischen Militärschlag gegen Syrien abzuwenden. Syrien wird vorgeworfen, Chemiewaffen gegen das syrische Volk eingesetzt zu haben. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Beginn der Proteste gegen Assad im März 2011 mindestens 100.000 Menschen getötet und mehr als 2 Millionen gezwungen, aus dem Land zu fliehen.

Der syrische Aktivist Shakeeb Al-Jabri empört sich:

Im Grunde genommen wurde heute festgelegt, dass du jemanden erschießen und der Strafe entkommen kannst, wenn du deine Waffe aushändigst, nachdem du die Sache erledigt hast.

Der mauretanische Aktivist Naser Weddady stellt fest:

Der Außenminister des Regimes begrüßt den Vorschlag, die Chemiewaffen unter Kontrolle zu stellen. = Die Welt freut es, dass die Kriegsmaschinerie Assads das Töten fortsetzt.

Und BSyria fügt hinzu:

Die 7 Millionen vertriebenen Syrer sind nicht wegen der Chemiewaffen geflohen.

Ghazal sagt, dass das Verfügen über den Gebrauch von chemischen Kampfstoffen durch Assad bedeute, dass alle anderen Waffen zulässig seien [ar]:

Dass sie sich nun über eine Kontrolle der Chemiewaffen geeinigt haben bedeutet für uns, dass wir wieder bei der Luftwaffe, den Geschützen und Gewehren sind. Kein Problem wie viele sterben, [dann heißt es] “Wir verurteilen es”. Das Wichtigste ist, dass die Chemiewaffen kontrolliert werden.

In einer Reihe von Twitter-Nachrichten deutet der Leiter des Nahostbüros der BBC Richard Colebourn an, dass Russland und Syrien – offenbar – ihre Vorgehensweise abgestimmt haben.

Das syrische Staatsfernsehen berichtet mithilfe einer Grafik über den Chemiewaffenvorschlag Russlands – und die ist interessant.
Die zeitliche Abstimmung der Stellungnahmen Russlands und Syriens und eine interessante Berichterstattung des syrischen Staatsfernsehens legen nahe, dass alles hübsch eingefädelt wurde.

Er ergänzt:

Ist der Deal Russlands ein Ausweg für Obama? Benutzt Syrien es als Mittel, um die VN und die Welt mit langwierigen Chemiewaffeninspektionen/-kontrollen und bürokratischen Verwicklungen zu knebeln?

Der Schritt wirft auch viele Fragen auf. Zeina Khodr, eine Korrespondentin von Al Jazeera English, twittert:

Syrer fragen sich nun, ob das Drohen mit einem Militärschlag von Seiten der USA nur dazu diente um sicherzustellen, dass die Chemiewaffenarsenale nicht in die “falschen Hände” geraten (al-Qaida und Hizbollah).

Der syrische Blogger Anas Maarawi sagt:

Von woher kommen sie uns damit an, die Chemiewaffen auszuhändigen? Das Regime ist bereit, seine Mutter, seinen Vater, seine Tochter und sogar Qardaha [Heimatort der Familie al-Assad] auszuhändigen im Gegenzug dazu, dass es bleiben kann.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Sonderberichterstattung Syrische Proteste.

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