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Drei Jugendliche bei einem Musikfestival in Spanien wegen ihrer Sprache schikaniert

Im östlichen Teil der spanischen Stadt Valencia haben drei junge Menschen von körperlichen Übergriffen berichtet, weil sie auf dem Arenal Sound Musikfestival katalanisch gesprochen haben. Wie in Katalonien zählen in Valencia sowohl Spanisch als auch Katalanisch zu den Amtssprachen.

Das Arenal Sound Musikfestival fand vom 4. bis 7. August zum vierten Mal in Borriana, im Süden der Provinz Castellón statt. Am ersten Abend wurde Laura, einer jungen Frau aus Castellón, der Eintritt verweigert weil sie den Sicherheitsmann auf katalanisch angesprochen hatte. Wie Laura dem Onlinemagazin Vilaweb [ca] erklärte, [ca] habe der Sicherheitsbeamte von ihr verlangt, Spanisch zu sprechen da er keine anderen Sprachen verstehe. Als er Laura dann durchsuchte, fand er bei ihr Pfefferspray und habe dies als Entschuldigung genutzt, Laura den Eintritt zu verweigern und die spanische Polizei, die Guardia Civil, einzuschalten.

Diese legten der jungen Frau nahe, Spanisch zu sprechen, wenn sie doch noch reinkommen wolle, doch sie und ihre Freunde zogen es vor, auf das Festival zu verzichten statt auf das Recht, ihre eigene Sprache zu sprechen. Die Kostenrückerstattung die sie daraufhin forderten, wurde ihnen ebenfalls verweigert, da, laut der Sicherheitsmänner, der Festivaldirektor nicht informiert worden sei. Laura und ihre Freunde trugen die Festivalarmbänder als Protest gegen den Vorfall, welcher nicht auf einem aufrichtigen Sprachmissverständnis basierte, sondern vielmehr auf absichtlicher Demütigung aufgrund der Sprache, die sie sprachen.

Arenal Sound

Foto von Arenal Sound Fesitvalbesuchern gefunden auf der offiziellen Facebook-Seite [es] des Veranstalters Facebook [es] page.

Zwei weitere Jugendliche, die erfahren hatten was Laura passiert war, fragten daraufhin am Sonntag Abend die Sicherheitsbediensteten ob diese katalanisch sprechen. Sie trafen auf denselben Beamten, der in den vorherigen Fall verwickelt gewesen war.

Einer der jungen Männer, Christian, ließ Vilaweb gegenüber verlauten [ca], einer seiner Freunde habe den Sicherheitsmann des Faschismus bezichtigt und von da an sei die Situation eskaliert. Sie seien von fünf Wachmännern umzingelt worden und einer von ihnen habe Christian zu Boden gestoßen und getreten. Der Krankenhausbericht [ca], den der junge Mann Vilaweb vorlegte, beinhaltet Beweise für den Übergriff.

Von den Veranstaltern des Festivals kam keine Entschuldigung. Trotz einiger negativer Kommentare auf ihrer Facebook-Seite [ca] ist die einzige bisherige Stellungnahme [ca] eine Wiederholung dessen, was Direktor David Sanchéz bereits sagte: „Das Sicherheitspersonal kam von einer Firma in Jaén und verstand daher kein katalanisch.“

Er beharrte außerdem darauf, dass das Festival niemanden „wegen seiner Sprache oder Herkunft“ diskriminiere und dass er mit der Sicherheitsfirma gesprochen habe um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Die Nachricht allerdings, dass besagte Sicherheitsfirma Opcón Security von dem bekannten Neonazi [ca] José López Perea gegründet wurde, lässt viele an der Glaubwürdigkeit dieser Worte zweifeln.

Valencianisch ist eine Form von Katalanisch, die von der autonomen valencianischen Gemeinde gesprochen wird, welche im Süden Kataloniens und westlich der Balearischen Inseln angesiedelt ist. Diese drei Regionen haben eine gemeinsame Geschichte basierend auf sprachlichen und kulturellen Gemeinsamkeiten. Katalanisch ist eine der vier offiziellen Sprachen in Spanien, von denen jede jeweils einer Region zukommt; das valencianische Autonomitätsstatut [en] klassifiziert die Sprache als „Heimatsprache“ der Region.

Durch jahrhundertelange Marginalisierung [en] und Sprachwechsel ist es um den Schutz der valencianischen Sprache schlechter bestellt als im benachbarten Katalonien was teilweise zu heftigen Attacken auf die Rechte ihrer Sprecher führt. Unerwartete Internetproteste fanden statt für die Opfer solcher Art der Diskriminierung wie es zuvor auch bei anti-katalantischen Zwischenfällen [en] schon geschehen war. Die Sängerin der Gruppe Xàtiva, Feliu Ventura (@feliuventura) [ca] twitterte beispielsweise:

Das muss aufhören. Diese Apartheid ist Terrorismus gegen die valencianische Weltsicht. http://t.co/pTuMa5zpKD

Der Comedian und Fernsehmoderator Eugeni Alemany (@EugeniAlemany)[ca] stellte die Qualität der Demokratie eines Landes in Frage, in dem noch heute solche Situation wie beim Arenal Musikfestival geschehen können:

Es sagt viel aus über ein Land wenn 99% seiner Sicherheitsbeamten die extreme Rechte unterstützen. Gewalttätige, intolerante, herrschsüchtige Menschen? Seht doch zu wie ihr damit klarkommt!

Der Musiker und Journalist Miquel Ramos (@Miquel_R) [ca] verteidigte das Recht, katalanisch zu sprechen:

Stoppt faschistische Attacken auf jene die Valencianisch sprechen. Stoppt Straffreiheit. #stopvalencianofobia

Und im selben Atemzug twitterte die Philologin Bàrbera M. (@barberamaria):

#stopvalencianofòbia Wir werden niemals müde, zu bekräftigen, dass es keine Straftat ist, katalanisch zu sprechen. Warum stört es sie so sehr, dass wir unsere eigene Sprache haben?

Zusätzlich wurde am 10. August ein „Massentweet” [ca] über soziale Netzwerke organisiert mit den Tags #stopvalencianofòbia und @arenalsound um auf diese linguistische Diskriminierung [en] aufmerksam zu machen und die Festivalveranstalter zu einer Entschuldigung zu zwingen. Es folgen einige der denkwürdigsten Beiträge zu diesem „Massentweet” vom Samstag Abend, unter anderem von der Journalistin Amàlia Garrigós (@AmaliaGarrigos) [ca]:

Unsere Sprache kann nur überleben wenn wir sie wertschätzen. Und diese Wertschätzung können wir nur zeigen indem wir sie sprechen. #StopValencianofòbia @arenalsound — Amàlia Garrigós (@AmaliaGarrigos) 10. August 2013

Miquel Gironés (@miquelgirones)[ca], Mitglied der international bekanntesten valencianischen Band Obrint Pas, der für das Sprechen seiner Sprache Opfer eines Polizistenangriffs [ca] wurde, twitterte:

Ich würde mir wünschen, dass @ArenalSound diese Sicherheitsfirma nicht mehr engagiert. Bitte entschuldigt euch.

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