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Anschuldigungen wegen Papst Franziskus’ Verwicklung in Argentiniens “Schmutzigen Krieg”

Die Wahl des argentinischen Jesuiten Jorge Bergoglio zum neuen Papst hat Fragen nach der vermeintlichen Verstrickung des früheren Kardinals mit der Militärdiktatur Argentiniens in den Jahren zwischen 1976 und 1983 aufgeworfen. Ein Vorwurf lautet, der frühere Kardinal habe zur Entführung zweier liberaler Priester beigetragen.

Die Vorwürfe, die Bergoglio als ersten argentinischen und als ersten lateinamerikanischen Papst begleiten, sind nicht neu. Sie kommen jedoch zu einer kritischen Zeit für die katholische Kirche, die derzeit versucht, ihr weltweit angeschlagenes Image aufzubessern.

Im Januar 2011 veröffentlichte Hugh O'Shaughnessy [en] eine Kolumne im Guardian, in der er über die “Sünden der argentinischen Kirche” [en] während des “Schmutzigen Krieges” berichtet.

Es ist seit vielen Jahren bekannt, dass die Führungsebene der argentinischen Kirche viele “verlorene Schafe” umfasste. Diese Männer kooperierten nicht nur mit dem Regime sondern unterstützen die außerordentlich brutale, vom Westen gestützte Militärdiktatur, die im Jahr 1976 die Macht an sich riss und sie über Jahre hinweg verteidigte. Die Generäle der Militärdiktatur ermordeten nicht nur Tausende Menschen, indem sie sie aus dem Flugzeug in den River Plate warfen und anschließend ihre verwaisten Kinder an den Höchstbietenden verkauften. Sie ermordeten auch mindestens zwei Bischöfe und viele Priester. Doch auch die Ermordung weiterer Geistlicher änderte nichts an der Unterstützung führender Geistlicher, Vertreter des Vatikans mit eingeschlossen, für den Führer des Regimes General Jorge Rafael Videla und seine Knechte.

Hayes Brown erläuterte die mutmaßliche Vertrickung der Kirche mit dem Regime in Think Progress [en] näher:

Jahre später sagte ein Priester einem Untersuchungsgremium, dass die Kirche dem Regime zu jener Zeit skandalös nahe stand, indem es die Augen in einem Maße verschlossen hat, das einer Sünde gleichkommt. Der frühere argentinische Diktator Jorge Videla behauptete in einem Interview, einige Jahre nachdem er die Macht verloren hatte, dass die Kirche während der Diktatur definitiv “zu Rate gezogen wurde” [en]. Dies umfasste neben einer guten Partnerschaft auch die Aktivität, Familien davon abzuhalten, nach Verwandten zu suchen die “verschwunden” waren.

In einem Artikel vom 13. März für die Global Post [en] erläutert John Otis die Anschuldigungen, die sich gegen Bergoglio richten:

Image from Wikimedia Commons, by  presidencia.gov.ar, under Creative Commons license  (CC BY-SA 2.0)

Image from Wikimedia Commons, by presidencia.gov.ar, under Creative Commons license (CC BY-SA 2.0)

Im Jahr 2005 reichte ein Anwalt Anzeige gegen Bergoglio ein aufgrund seiner mutmaßlichen Beteiligung an der Entführung zweier liberaler, jesuitischer Priester. Über diese Episode wird in dem Buch El Silencio, oder The Silence, von dem argentinischen Journalisten Horacio Verbitsky berichtet.

Bergoglio hat jegliche Verstrickung lange Zeit abgestritten. Nachdem er 1998 zum Erzbischof von Buenos Aires ernannt wurde, unternahm er den Versuch, Wiedergutmachung zu leisten. Er bestand darauf, dass katholische Geistliche in Argentinien Gewänder tragen, die Buße für die Sünden symbolisieren, die während der Diktatur begangen wurden.

Die Los Angeles Times [en] berichtete schon 2005 über die Anzeige gegen Bergoglio.

Elizabeth Kate Switaj hat unter dem Titel “Papst Franziskus und Argentiniens Militärdiktatur” [en] einen Beitrag auf Storify zusammengestellt. Sie zitiert den Blogger Flavia Dzodan (@redlightvoices), der auf Twitter am 13. März 2013 umfassend über diese Angelegenheit berichtet hat. In einem Tweet fragt Dzodan:

@redlightvoices: Ich spreche hasserfüllt über den neuen Papst? Was ist denn mit den 30.000 verschwundenen, gefolterten, getöten Menschen? Haben Sie es etwa nicht besser verdient?

Elizabeth hat auch einen Tweet des argentinischen Journalisten und Autors Ariel Silvera (@ariel_silvera) hervorgehoben:

@ariel_silvera: Ernsthaft Leute, ‘wenn er es wirklich getan hat’, er war Teil der Elite während der Diktatur. Sie sind *ALLE* schuldig und ich werde…

@ariel_silvera: …hier keine verdammte Geschichtsstunde in Argentinischer Geschichte erteilen. Tut mir Leid, dass Ihr die Links nicht in Eurer bevorzugten Sprache vorfindet. #sorrynotsorry

Der kanadische Autor I. Giraud (@BlueShoes55), den Elizabeth in ihrem Beitrag zitert, hat auf Twitter darauf hingewiesen, dass nicht jeder gefeiert hat:

@BlueShoes55: Einige lateinamerikanische Freunde sind unzufrieden: der augenscheinlich konservative Jesuit Papst Franziskus hat sich nicht gegen die Diktatur ausgesprochen.

Asteris Masouras hat ebenfalls einen Beitrag auf Storify [en] mit ähnlichen Reaktionen veröffentlicht.

Der argentinische Journalist Horacio Verbitsky hat jahrelang über die Verstrickung der katholischen Kirche mit der Militärdiktatur Argentiniens berichtet. Sein Twitter-Account (@VerbitskyH) [es] hat zahlreiche Artikel geteilt, die in der Zeitung Página12 veröffentlicht wurden und von Bergoglios Verwicklung in die Machenschaften der Diktatur handeln, inklusive eines Artikels [es] mit fünf Zeugenaussagen, welche die Rolle des jetzigen Papstes Franziskus zu jener Zeit “bestätigen”.
Wie bereits erwähnt hat Bergoglio diese Vorwürfe stets abgestritten [es]. Der Journalist Sandra Crucianelli (@spcrucianelli) [es] hat in diesem Zusammenhang auf Twitter festgestellt:

@spcrucianelli: En el libro “El jesuita”, #Bergoglio negó haber sido cómplice del secuestro de dos curas de su entorno. http://www.perfil.com/sociedad/Bergoglio-y-los-70-las-explicaciones-sobre-su-rol-en-la-dictadura-20130313-0038.html …

@spcrucianelli: In dem Buch “The Jesuit”, hat #Bergoglio abgestritten in die Entführung zweier Priester, die ihm nahe standen, verwickelt gewesen zu sein. http://www.perfil.com/sociedad/Bergoglio-y-los-70-las-explicaciones-sobre-su-rol-en-la-dictadura-20130313-0038.html …

Daraufhin antwortet Twitter user Grachy (@Grachy24) [es] folgendermaßen:

@Grachy24: @spcrucianelli y que esperabas que diga SI YO TUVE QUE VER!!! mmmmmmmm

@Grachy24: @spcrucianelli Und was hast Du erwartet? Dass er sagt JA ICH WAR DARAN BETEILIGT!!! hmmmmm

Nichtsdestotrotz verteidigen in der Zwischenzeit viele Argentinier Bergoglio.

Mario Pergolini (@PergoliniOK) [es] weist auf die Beziehung der aktuellen Regierung mit Bergoglio hin und hält fest:

@PergoliniOK: Es impresionante como están tratando de difamar a Bergoglio en las redes sociales. Evidentemente, para los k ha sido un golpe durísimo!

@PergoliniOK: Es ist erstaunlich wie versucht wird, Bergoglio in den sozialen Netzwerken zu diffamieren. Offensichtlich ist [diese Wahl Bergoglios zum Papst] ein harter Schlag für die [Unterstützer] Kirchners gewesen!

Und Carlos Burgueño (@cburgueno) [es] warnt:

@cburgueno: Ojo con bucear mucho sobre lo que hizo Bergoglio en la dictadura, no vaya a ser que haya salvado a muchos más que todos ustedes juntos.

@cburgueno: Seid vorsichtig wenn Ihr all das ausgraben wollt was Bergoglio während der Diktatur gemacht haben soll, er könnte mehr Menschenleben gerettet haben als Ihr alle zusammen.

Inzwischen hat der Nobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel der BBC Mundo [es] erzählt, dass Bergoglio keine Verbindungen zur Diktatur gehabt hatte: “Bergoglio wird verdächtigt, weil er angeblich nicht genug getan hat, um zwei Priester aus dem Gefängnis herauszubekommen während er der Vorsitzende der Kongregation der Jesuiten war, aber ich weiß persönlich, dass viele Bischöfe die Militärjunta gebeten hatten Gefangene und Priester aus dem Gefängis zu entlassen, jedoch ohne Erfolg. Ihnen wurde gesagt, sie würden freigelassen, doch es passierte nichts.”

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