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Elfenbeinküste: Studiengebühren werden erhöht

Nachdem die Universitäten der Elfenbeinküste monatelang geschlossen waren, was für Debatten sorgte, schicken sie sich nun an, ihre Türen am 3. September 2012 wieder zu öffnen. Die Freude, die diese Nachricht auslöste, war schnell vergessen und wurde von einer Welle der Empörung über eine Entscheidung der Universitätsrektoren abgelöst: die neuen Studiengebühren sollen erhöht werden. [fr]

Les étudiants débourseront désormais respectivement 100.000 FCFA par an pour s’inscrire au premier cycle (de la 1ère année à la licence), 200.000 FCFA, pour le Master et 300.000 pour le DEA et le Doctorat.

Die Studenten werden künftig Beiträge in folgender Höhe zahlen: 100.000 FCFA [ca. 152 EUR] pro Jahr für das Studium bis zur Licence (entspricht dem Bachelor, Anm. d.Übers.), 200.000 FCFA [ca. 304 EUR] für den Master und 300.000 [ca. 457 EUR] für DEA [ein Vertiefungsstudiengang, Anm. d. Übers.] und Promotion.

Hier das Video, in dem die Erhöhung der Studiengebühren angekündigt wird:
[fr]

Zuvor mussten die Studenten an der Elfenbeinküste bei der Einschreibung nur 6.000 FCFA [ca. 9 EUR] zahlen. Den Behörden des Landes zufolge [fr]

Ces montants permettront, en plus de la subvention de l’Etat, d'accroître les capacités financières des universités, en vue de faire face au manque de matériel didactique dont l'absence criante avait obligé par exemple l’UFR des sciences à suspendre les travaux pratiques.

werden diese Beträge zusätzlich zur staatlichen Unterstützung die finanziellen Möglichkeiten der Universitäten verbessern, sodass dem Mangel an Unterrichtsmaterial entgegengewirkt werden kann, der so deutlich spürbar war, dass z.B. der Fachbereich Naturwissenschaften vorübergehend seine Arbeit einstellen musste.

Universität Cocody in Abidjan, Elfenbeinküste. Foto von Alexenafrique, copyright Demotix (13/10/11).

Diese Maßnahmen haben jedoch in den Medien und in den verschiedenen sozialen Netzwerken, Foren und Blogs der Elfenbeinküste für zahlreiche heftige Reaktionen gesorgt. Die Meinungen gehen auseinander, aber die Erklärungen der Studentenverbände sind unmissverständlich: Sie lehnen die Maßnahme ab. Die FESCI bezieht durch ihren Generalsekretär Mian Augustin folgendermaßen Stellung: [fr]

Nous considérons toujours les six mille FCFA comme le montant des frais d’inscription

Für uns betragen die Studiengebühren nach wie vor sechstausend FCFA.

Mominé Roland von der l'AGEECI (Association Générale des Elèves et Etudiants de Côte d'Ivoire, Allgemeiner Verband der Schüler und Studenten der Elfenbeinküste) findet [fr] die Erhöhung “inakzeptabel”; Kouadio Jean-Baptiste, Generalsekretär der Unesci, (Union Nationale Estudiantine et Scolaire de Côte d'Ivoire, Nationale Vereinigung der Studenten und Schüler der Elfenbeinküste) drückt sein Bedauern [fr] über diesen “Keulenschlag” aus.

Und Gbané Aleoussène (Sprecher des studentischen Kollektivs für die Wiederöffnung der öffentlichen Universitäten) kommt zu dem Schluss: «Wir fühlen uns ausgeschlossen».

Einige politische Parteien wie die RDR (Rassemblement des Républicains, Zusammenschluss der Republikaner), die Partei des Präsidenten Alassane Ouattara, haben ebenfalls gegen die neue Höhe der Studiengebühren Stellung bezogen [fr]:

 Sans remettre en cause le principe d’une augmentation, le RDR estime que cette hausse des frais d’inscription est disproportionnée

Ohne sich prinzipiell gegen eine Erhöhung auszusprechen, hält die RDR diese Anhebung der Studiengebühren für unverhältnismäßig.

In den sozialen Netzwerken sind heftige Diskussionen im Gange. Sogar auf Facebook wurde eine Gruppe gegen die Studiengebühren gegründet.

Auf Twitter sagt man deutlich seine Meinung. Viele finden wie JusticeJFK,  dass die Gebühren zu hoch sind:

@JusticeJFK: ” Un Pays Pauvre Très Endetté a des habitants pauvres très endettés. 1.567% d'augmentation de frais d'inscription, c'est trop! #civ2010#ci225

@JusticeJFK: Ein armes, hochverschuldetes Land hat arme, hochverschuldete Einwohner. Eine Erhöhung der Studiengebühren um 1.567% ist zu viel! #civ2010#ci225

Die Twitternutzerin KadyS ist derselben Meinung:

@Kadsak: “J'ai l'impression que les nouveaux dirigeants de la #civ2010 ignorent tout de la réalité des ivoiriens aujourd'hui. Les gens ne mangent pas!

@Kadsak: Ich habe den Eindruck, dass die neuen Führer der #civ2010 nicht die geringste Ahnung vom heutigen Lebensalltag der Menschen in der Elfenbeinküste haben. Viele haben nichts zu essen!

Unterdessen denkt der Lehrer Antoine Mian an die Konsequenzen dieser Maßnahme:

@Mianseh: “J'ose espérer que les éminent profs qui ont pris cette décision en ont mesuré la dimension sociale, économique, politique et accadémique

@Mianseh: Ich wage zu hoffen, dass die Professorenelite, die diese Entscheidung getroffen hat, bedacht hat, was das auf sozialer, wirtschaftlicher, politischer und akademischer Ebene bedeutet.

Bamba Moussa vertritt in seinem Blog [fr] ebenfalls die Meinung, [fr] dass die Studiengebühren zu hoch seien:

J’ose cependant espérer que de tels tarifs comprendront de nombreux services tels que: La bourse ou l’aide financière pour tous les inscrits, une chambre en cité, un abonnement annuel au resto de l’université, une assurance, la carte de bus et j’en passe. A défaut, le titre d’Universités Publiques serait à revoir.

Ich wage dabei aber zu hoffen, dass mit diesen Beträgen einige Dienstleistungen bezahlt werden, z.B.: Stipendien oder finanzielle Unterstützung für alle Studenten, ein Zimmer im Wohnheim, Mensaessen für das ganze Jahr, eine Versicherung, die Busfahrkarte usw. usf.  Andernfalls muss man sich fragen, ob die “öffentlichen Universitäten” diesen Namen wirklich verdienen.

Indessen werden in den sozialen Netzwerken einige Stimmen laut, die der Ansicht sind, die neuen Gebühren seien angemessen und für einen qualitativ guten Unterricht sowie für eine Aufwertung der an der Elfenbeinküste erlangten Abschlüsse notwendig. Brahima Bakayoko schreibt [fr] beispielsweise:

@fielanord: “Avec 100 000 (etudiants) * 150 mille (moyenne) les FAC 15 MDRS qui peut leur permettre de s'autofinancer et d'emprunter pour se développer.

@fielanord: Bei 100 000 (Studenten) * 150 000 (im Durchschnitt) könnten die 15 Mrd. FCFA ihnen helfen, sich selbst zu finanzieren und Geld zu leihen, um sich weiterzuentwickeln.

Minister Alain Lobognon, der auf Twitter sehr präsent ist, vertritt die Ansicht, diese Maßnahme beseitige eine gewisse Ungleichheit zwischen den Studenten der Universitäten und denen der Grandes Écoles:

@AlainLobogon: “Pourquoi avec le même BAC, des étudiants paient rien, quand d'autres sont condamnés par l'Etat de #ci225 à payer cher pour leur formation?

@AlainLobogon: Warum zahlen einige Studenten nichts und von anderen verlangt der Staat, dass sie für ihre Ausbildung einen hohen Preis zahlen, wenn doch alle den gleichen Schulabschluss haben? #ci225

Er fügt noch hinzu:

@AlainLobogon:  “@aremsbee Les supports pédagogiques ont un prix à payer. L'Etat les paiera. Les étudiants doivent contribuer pour l'entretien. #ci225

@AlainLobogon: Lernmaterialien kosten Geld, das bezahlt werden muss. Der Staat wird den Preis zahlen. Die Studenten müssen ihren Beitrag leisten. #ci225

Die Bloggerin Nnenna, die die Meinung vertritt, die neuen Beträge seien angemessen, hat sogar Nachforschungen zu Studiengebühren in anderen Ländern Westafrikas angestellt. Sie schreibt:

@nnenna: “Mise à jour: Togo “Finalement les frais annuels varient donc entre 50.000 F et 300.000 F CFA” #civedu #ci225

@nnenna: Aktualisierung: Togo “Die jährlichen Gebühren bewegen sich also zwischen 50.000 und 300.000 FCFA. #civedu #ci225

Zur Lage in Benin teilt Anna Guèye einen Tweet von Nnenna.

RT @nnenna Frais d'inscription #Benin: Faculté 15.000 FCFA autres, 226.200 ENEAM 256.200, Informatique de Gestion 306.200 #CIV2010#CI225

RT @nnenna Studiengebühren in #Benin: Universität 15.000 FCFA, sonstige 226.200, ENEAM [=Ecole Nationale D’economie Appliquee Et De Management, Staatliche Hochschule für angewandte Wirtschaft und Management, Anm. d. Übers.] 256.200, Wirtschaftsinformatik 306.200 #CIV2010#CI225

Aber wenn man die Beiträge in sozialen Netzwerken liest, wird man auf eine weitere Gruppe stoßen, deren Meinung weniger festgelegt ist. Marti liefert [fr] eine gute Zusammenfassung dieser mittleren Position, mit der sich offenbar viele identifizieren:

Que les droits d'inscription augmentent ok. Mais de manière raisonnable. Et ensuite, bourses/résultats. Mais accès pour tous à l'université #CIV2010

Gut, sollen die Studiengebühren steigen. Aber in einem vernünftigen Rahmen. Und dann Stipendien/Ergebnisse. Aber alle sollen Zugang zur Universität haben.

Während die Menschen in sozialen Netzwerken und außerhalb des Internets angeregt diskutierten, überraschte die Regierung der Elfenbeinküste alle mit der folgenden Entscheidung:

suspension de la mesure envisagée d`augmentation des frais d`inscription dans les universités publiques, le temps de poursuivre la réflexion

Die geplante Maßnahme einer Erhöhung der Studiengebühren an öffentlichen Universitäten wird ausgesetzt, es muss noch weiter darüber nachgedacht werden.

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