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Spanien: “Besetzung” der Banken auf den Straßen und im Netz

Dieser Bericht ist Teil unseres Dossiers über Europa in der Krise.

Letzte Woche kündigten die Medien die schwierigste Woche für die spanische Wirtschaft seit der Einführung des Euros an. Die Meldungen der Schuldenkrise bringen die Bevölkerung ans Ende ihrer Geduld. Die Kosten der Rettung von Bankia, die mit öffentlichen Geldern finanziert wird, könnten eine Höhe von 23 Milliarden Euro erreichen. Trotzdem scheinen die regierenden Politiker und Geschäftsführer der Bank kein Interesse daran zu haben, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und den Menschen die Gründe für die Krise zu erklären, d.h. genau jenen, die am meisten von der Krise betroffen sind.

Außerdem erfolge die Verstaatlichung von Bankia nur teilweise, wie von Präsident Mariano Rajoy bekannt gegeben wurde. Das werde eine Sanierung der Einrichtung ermöglichen und einen Zusammenbruch verhindern, aber sie werde sich dennoch weiter dem Verkauf von Aktien widmen. Diese Verstaatlichung der Verluste hat zur Folge, dass sich die Gewinne nicht auf die Bevölkerung auswirken werden. Das ist der Grund für die Forderung vieler Bürger einer vollkommenen Verstaatlichung der Bank.

Angesichts dieser schlechten Aussichten und der Verweigerung seitens der Regierung, das Management von Bankia zu untersuchen, sind die Spanier in Aktion getreten. Schon seit Beginn der Krise ist es Zeit für Initiativen der Bevölkerung. Letzten Monat verlagerten die Empörten aus Barcelona ihren Protest in das Gebäude der Bank La Caixa. Diese Bewegung ist als #OccupyMordor (in Anspielung auf die zwei Türme aus dem Film Der Herr der Ringe) bekannt. #OccupyBankia, eine weitere ähnliche Bewegung, organisierte vor den KIO-Türmen in Madrid, dem Sitz von Bankia, eine Cacerolaza [Protest durch lärmendes Topfschlagen].

Transparent in Lavapiés von Fotogracción.org

Im Madrider Viertel Lavapiés fand eine weitere Bürgerversammlung statt, bei der die selben Ansprüche erhoben werden wie in den vergangenen Protesten, nämlich ein Ende der Spekulationen und Zwangsräumungen [en]. Außerdem wurden Transparenz und Erklärungen gefordert. Hunderte Menschen marschierten in Richtung eines Gebäudes mit leerstehenden Wohnungen in der Nähe von Atocha und verkündeten dabei die Absicht, diese an jene Personen zu übergeben, die keinen Zugang zu Unterkünften haben. Einer der sich wiederholenden Sprüche ist: “Wenn Bankia uns gehört, gehören uns ihre Wohnungen ebenso”. Vor einigen Tagen protestierten die “Iaioflautas”, die ältere Generation der Aktivisten der 15M-Bewegung, zeitgleich in Bankia-Filialen fünf spanischer Städte: Madrid, Barcelona, Valencia, Sevilla und Palma de Mallorca. Sie verlangen neben einer “Rettung der Bürger”, Klarheit über die Gründe für die katastrophale Situation der Bank. Die Veteranengruppe besitzt einen eigenen Blog, in dem ihr Manifest in verschiedenen Sprachen veröffentlicht wird:

Ahora están poniendo el futuro de nuestras hijas y nietas en peligro. Estamos orgullosas de la respuesta social y del empuje que están mostrando las nuevas generaciones en la lucha por una democracia digna de este nombre y por la justicia social, contra los banqueros y los políticos cómplices. Estamos a su lado, de sentimiento, a las asambleas de barrio y también a la acción. Si quieren descalificar su valentía llamándolos “perroflautas”, a nosotras nos pueden llamar “iaioflautas”.

Jetzt setzten sie die Zukunft unserer Kinder und Enkel aufs Spiel. Wir sind stolz auf die soziale Antwort und den Elan, den die neuen Generationen an den Tag legen, in ihrem Kampf für eine Demokratie, die diesen Namen wirklich verdient und für soziale Gerechtigkeit, gegen die Banker und ihre Komplizen, die Politiker. Wir stehen an ihrer Seiten – im Geiste, in den Stadtversammlungen und auch bei den Aktionen. Wenn sie diese Menschen “perroflautas” (Penner) nennen, um ihren Mut herabzuwürdigen, dann sollen sie uns doch “Iaioflautas” (katalanisch iaio = Opa) nennen.

Die verschiedenen Protestaufrufe gegen die Bank, Foto- und Videomaterial und Manifeste zirkulieren eifrig in den sozialen Medien, die zu Vermittlern des Ärgers der Bevölkerung wurden und eine Schlüsselrolle bei der Organisation der sozialen Aktionen spielen. Ende Mai wurde der Blog CierraBankia [Schließ Bankia][es] eingerichtet, der sich darauf konzentriert, Artikel über die betreffende Bank zu sammeln und Formen des Boikotts zu verbreiten. Der Blog Dark Spaces [es] parodiert Plakate wie dieses:

Plakat über Bankia

Dieses Video, vom 17. Mai, zeigt eine weitere originelle Form der “Besetzung”: den Flamenco-Protest. In einer Bankia-Filiale in Sevilla bietet ein Flamencosänger in Begleitung von Tänzerinnen ein Lied dar, das den Titel “Bankia, Lungen und Kiemen” trägt:

Dieser Bericht ist Teil unseres Dossiers über Europa in der Krise.

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