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“Blogger sind Kulturvermittler”

[Der Beitrag wurde ursprünglich im Amnesty Journal, Juni 2012, veröffentlicht.]

Weltweit nutzen Blogger und Bürgerjournalisten das Internet, um sich Gehör zu verschaffen. Damit ihre Botschaft nicht an Sprachgrenzen scheitert, wird sie von dem internationalen Netzwerk “Global Voices” übersetzt. Ein Gespräch mit dessen Leiter Ivan Sigal.

“Informationen universell verfügbar machen”. Ivan Sigal :@Ralf Rebmann/Amnesty



Wie entstand die Idee, Internetblogs zu übersetzen?

Global Voices wurde 2005 als Forschungsprojekt an der amerikanischen Harvard-Universität gegründet. Das Wissen lokaler Blogger und Bürgerjournalisten ist sehr wertvoll. Um diese Informationen universell verfügbar zu machen, müssen sie übersetzt werden. Global Voices dient dazu, Meinungen und Informationen Raum zu geben, die sonst nie gehört werden würden. Das Netzwerk soll auch dazu beitragen, bestimmte Ereignisse, die an einem bestimmten Ort der Welt passieren, besser zu verstehen. Die Blogger sind in gewisser Weise Kulturvermittler zwischen verschiedenen Ländern.

Wie genau funktioniert Global Voices?

Das Netzwerk arbeitet global und besteht aus mehr als 500 Bloggern, Übersetzern und Autoren. Wir beobachten, welche Themen in der Blogosphäre eine Rolle spielen. Falls ein Thema, wie zum Beispiel die Umbrüche in der arabischen Welt, von potenziellem Interesse für die Leser weltweit ist, sammeln wir Beiträge aus unterschiedlichen Blogs und fassen sie zusammen. Danach werden diese Artikel in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. Alle, die an diesem Projekt beteiligt sind, machen die Arbeit ehrenamtlich.

Werden die Informationen vor der Veröffentlichung überprüft?

Informationen zu überprüfen, indem man bestimmte Themen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, ist das Grundprinzip von Global Voices. Ein Team aus nebenberuflichen Re­dakteuren arbeitet mit den Autoren und Bloggern zusammen, um sicherzustellen, dass die Informationen korrekt sind. Dieser Prozess hat sich mittlerweile etabliert, und wir wissen, welchen Quellen man vertrauen kann.

Wie aktiv sind die einzelnen Blogger-Szenen?
Innerhalb von Global Voices gibt es keine Länder, die dominieren, wobei einige Blogger-Szenen sicherlich aktiver sind als andere. Derzeit haben wir weniger Beiträge aus China und den französischsprachigen Ländern Afrikas. Aktiver ist die Szene hingegen in Ägypten, Brasilien und Pakistan. Auch die russische Blogosphäre war in den vergangenen drei Jahren sehr aktiv. Die Menschen haben gemerkt, welchen Nutzen diese Netzwerke für den Austausch von Informationen haben können. Was in Russland in den vergangenen Monaten stark zugenommen hat, ist das Wissen um den Einfluss sozialer Netzwerke und Blogs auf den politischen Raum. Das haben auch die Umbrüche in der arabischen Welt bewirkt.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit eine Internetbewegung tatsächlich auf die Straße geht und demonstriert?
Revolutionen, Proteste und Reformprozesse sind komplexe Ereignisse, die unterschiedliche Gründe haben. Damit wir diese Entwicklungen besser verstehen, muss noch mehr Forschung auf diesem Gebiet betrieben werden. Es war zu erwarten, dass die Menschen in Russland demonstrieren. Dort gibt es eine sehr aktive Kultur der Diskussion und Debatte. Die Bedingungen haben gestimmt. Das gilt aber auch für Länder wie Iran, China oder Vietnam. Ausschlaggebend ist der Moment, an dem eine größere Gruppe von Personen entscheidet, eine Idee gemeinsam umzusetzen. In Myanmar war das 2007 bei der sogenannten Safran-Revolution der Fall – obwohl nur ein geringer Teil der Bevölkerung Zugang zum Internet hatte.

Fragen: Ralf Rebmann

Ivan Sigal ist seit 2008 verantwortlicher Direktor des Bloggernetzwerks “Global Voices”. Zuvor war er für das U.S. Institute of Peace und die Nichtregierungsorganisation Internews Network tätig. Mehr als zehn Jahre lange untersuchte Sigal, wie die Förderung der Medien- und ­Informationsfreiheit zur gewaltfreien Lösung von Konflikten in Krisen­gebieten beitragen kann. Er betreute zahlreiche Projekte zur Ausbildung und Stärkung lokaler Medien in Ländern der ehemaligen Sowjetunion ­sowie in Afghanistan und anderen asiatischen Ländern.

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