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Griechenland: Kritik an Politikern während Fest der Theophanie

Dieser Artikel ist Teil des Dossiers Europa in der Krise.

Der 6. Januar ist in Griechenland der nationale Feiertag der Theophanie [en], auch bekannt als Phota [en] (“Lichter”). Die Bräuche drehen sich um die  Segnung des Wassers [en]: Man versucht ein ins Wasser geworfenes Kreuz wieder herauszufischen. Es soll Glück und Segen über einen bringen. Jedes Jahr nehmen Regierungs- und Stadtbeamte an den Feierlichkeiten teil. Danach haben sie die Möglichkeit, neben politischen und sozialen Kommentaren, offizielle Erklärungen über die spirituelle Bedeutung dieses Tages abzugeben.

Dieses Jahr jedoch waren die Feierlichkeiten aufgrund der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Krise in Griechenland geprägt von einer ablehnenden Haltung der Bürger und Bürgerinnen und ihrer Kritik an den Politikern. Das kam nicht überraschend, da Präsident Karolos Papoulias bei der letzten nationalen Feier zum Ochi-Tag [en], am 28. Oktober, gezwungen war zu gehen,  nachdem ihn Demonstranten einen Verräter nannten.

Chalkida, Evia

Und es wiederholte sich dieses Mal. Als Präsident Papoulias Chalkida besuchte, anstatt wie gewohnt nach Piräus, Griechenlands größtem Hafen, zu fahren wurde er von den Bürgern und Bürgerinnen ausgebuht. Sie nannten ihn einen Verräter und schrien Anti-Austeritäts-Slogans, wie im folgenden Video [el] zu sehen ist:

Ein kleine Gruppe erreicht das Podium des Würdenträgers, wird jedoch von der Polizei aufgehalten. Der Präsident verschwindet, ohne eine offizielle Stellungnahme abzugeben.

Die Polizei von Chalkida nahm sechs Einwohner fest, drei Männer und drei Frauen, und es wurde Anklage wegen “Beleidigung der Ehre des Staatspräsidenten” erhoben. Der Staatsanwalt der Stadt verlangte ihre Freilassung.

Netizens kommentierten die Verhöhnung Papoulias’ sowie die Festnahme der Demonstranten. Eine große Mehrheit sprach sich für die Gefangengenommenen aus und gegen die wichtigsten Figuren des öffentlichen Lebens und deren Verhalten und Untätigkeit in Krisenzeiten:

Makis: ΣΙΓΑ ΤΟ ΠΡΟΣΩΠΟ.ΚΑΛΑ ΤΟΥ ΕΚΑΝΑΝ.
ER IST KEINE WICHTIGE PERSON. DAS HABEN SIE GUT GEMACHT.
: Ο Κάρολος Παπούλιας πρέπει να ‘χει κάνει ασφαλιστικά μέτρα εναντίον όλων των πολιτών. Αν παραβιάσεις την ακτίνα 50μ. συλλαμβάνεσαι.
Karolos Papoulias hätte gut daran getan, eine Verfügung gegen alle Bürger und Bürgerinnen zu erwirken. Wenn du dich ihm auf weniger als 50m näherst, wirst du verhaftet.

Sonia Andrianou: Από πότε διώκεται ρε παιδιά η ελευθερία του λόγου και της έκφρασης; Γιατί το άρθρο δε λέει να τον αποδοκίμασαν με τπτ αντικείμενα ή να τον πείραξαν σωματικά! Θα τρελλαθούμε εντελώς…

Seit wann wird Meinungsfreiheit verfolgt? Denn im Artikel wird nicht erwähnt, dass ihn die verhafteten Bürger mit Dingen beworfen hätten oder ihn körperlich angegriffen hätten. Wir werden ohne Zweifel den Verstand verlieren…

Einen kleine Minderheit war anderer Ansicht:

miri: Μα τι έφταιξε ο Πρόεδρος της Δημοκρατίας;
Aber was hat sich der Staatspräsidenten zu Schulden kommen lassen?
user Under: Οχι οτι εχω καμια διαθεση να υπερασπιστω τον Παπουλια τον οποιο τον θεωρουσα προδοτη πολυ πριν το ξεσπασμα της κρισης αλλα απο την αλλη παραγινεται γραφικο να δινεται εμφαση σε καποια περιστατικα αποδοκιμασιων. Μαζευονται 5 γραφικοι “αγανακτισμενοι” και αποδοκιμαζουν και αυτο γινεται θεμα.[…] Λιγη σοβαροτητα δεν βλαπτει.
Ich will Paoulias nicht verteidigen, den ich schon vor dem Ausbruch der Krise für einen Verräter hielt. Andererseits wird es zu “pittoresk”, gewöhnliches Ausbuhen so aufzubauschen. Fünf seltsame “Empörte” versammeln sich, protestieren und daraus wird ein großes Problem… […] Ein bisschen Ernsthaftigkeit hat noch niemandem geschadet.

Kitsos betont, dass Respekt niemandem aufgezwungen werden kann:

Kitsos (07/01, 10:36): Τον σεβασμό τον εμπνέεις ! Άμα χάσεις τον σεβασμό του κόσμου δεν τον επιβάλεις ούτε με χίλιους στρατούς. Κάτι ήξεραν οι παλιοί ηγέτες που έλεγαν “ισχύς μου η αγάπη του λαού μου”.
Respekt braucht Inspiration! Sobald du den Respekt der Menschen verloren hast, kannst du ihn nicht mehr erzwingen, dabei helfen nicht einmal zehn Pferde. Frühere Staatschefs wussten das. Sie waren diejenigen die sagten: “Meine Stärke ist die Liebe der Menschen.

Dimitris Vlachos fragt sich, warum in den Nachrichten berichtet wurde, dass nur ein kleiner Teil der Menschen offen ihre Ablehnung gegenüber den Präsidenten geäußert haben:

Dimitris Vlachos: Apo merida kosmou? Oloi ton giouxaran!
“Ausgebuht von einer kleinen Gruppe”? Jeder machte mit!

Am Tag davor, als in einem Artikel angekündigt wurde, dass Papoulias in Chalkida anstatt in Piräus auftreten wird, “prophezeite” Dimitris N.:

Dimitris N. (05/01, 15:41): Καλά έχει να ακούσει τα σχολιανά του, αν και έχω την αίσθηση ότι δεν θα πάει ούτε εκεί αλλά θα κάτσει στο προεδρικό μέγαρο….όπου και να πάει ο λαός θα καταστρέψει την παράτα…

Naja, natürlich wird er kritisiert werden. Jedoch habe ich das Gefühl er wird nicht einmal dorthin [Chalkida] gehen, sondern in seinem Präsidentenpalast bleiben… Wo auch immer er hingeht, die Menschen werden die Show verderben….

Außerdem kritisierten die Bürger und Bürgerinnen den Umstand, dass der Premierminister der Übergangsregierung Loukas Papadimos [de] keine Zeit fand, den Feierlichkeiten beizuwohnen. Anscheinend wegen der Menge an Arbeit. Ein Kommentator auf apospasma.gr schreibt:

[…]δεν τόλμησε να πάει στην τελετή αγιασμού των υδάτων στον Πειραιά επειδή θα άκουγε τα εξ΄αμάξης.

[…] er traute sich nicht zur Segnung des Wassers in Piräus zu erscheinen, weil er erschossen werden würde.

Athen, Attica

Davor wurde die Bildungsministerin Anna Diamantopoulou bei einem Fest in Dexameni im athenischen Stadtteil Kolonaki ausgeschimpft. In diesem Video [el] kann man Menschen schreien hören: “Gute Verdauung!” (üblicherweise nach dem griechischen Ausdruck für “Guten Appetit” gebraucht) und “Hole das Geld der ausländischen Unternehmen zurück”:

Die generelle Missbilligung der Politiker, vor allem jener der zwei wichtigsten Parteien (PASOK und ND) haben einmal aufs Neue zu einer langen Diskussion über persönliche Verantwortung und Unterstützung der aktuellen Politiker geführt:

Nikos Prassas: Καλά είναι τα μασκαριλίκια, οι αποδοκιμασίες και οι αντιπολιτευτικές διαμαρτυρίες, το μόνο εύκολο! Κάποτε όμως καταντούν και κουραστικές, όταν δεν υπάρχουν προτεινόμενες λύσεις!

Giorgos Kaminis (Bürgermeister von Athen) und Anna Diamantopoulou (Ministerin für Bildung, Lebenslanges Lernen und Religion) bei der Segnung des Wassers in Daxameni, Kolonaki. (Flickr user:annadiamantopoulou, CC BY-NC-SA 2.0)

Kostümfest, Fanfaren, Proteste und oppositionelle Paraden sind sehr angenehm; es ist das Einfachste! Eines Tages aber werden sie ausarten, wenn keine Lösungen mehr vorgeschlagen werden!

Maria Kapurani: ολοι εσείς που βρίζετε τους πολιτικους(και καλα κανετε) την Ευρώπη και ολα, αναρωτηθειτε μια φορά, 30 χρονια στη μεταπολίτευση τι έκανα ”ΕΓΩ” για την πατρίδα μου για να μην φτάσει εδω? Νομίζω οτι φωνάζετε επειδή ξεβολευτήκατε. Μια αγανακτισμένη… με ολους

All diejeniegen, die die Politiker (ihr tut das Richtige), Europa und das Ganze verfluchen, überlegt einmal: Was habe “ich” in den 30 Jahren der Metapolitefsi [en] [Zeitspanne in der griechischen Geschichte nach dem Fall der Militärjunta 1974] für mein Land getan, um nicht dorthin zu gelangen, wo wir heute sind? Ich denke, ihr seid wütend, weil ihr all euren Komfort verloren habt. Ein Empörter…gemeinsam mit all den anderen.
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Währenddessen wurde in den sozialen Medien, die Nachricht verbreitet, dass Apostolos Gkletsos, ein berühmter Schauspieler und nun auch Bürgermeister von Stylida, es ins Wasser schaffte und um das heilige Kreuz wetteiferte – beachtenswert, da er an einer Herzkrankheit leidet. Die “Bedeutung” die diesem Ereignis beigemessen wird, wurde auf Twitter humorvoll kommentiert:

@iokastita: Ο γκλέτσος ετοιμάζεται να βουτήξει στη Στυλίδα για να πιάσει το σταυρό.Το καλύτερο νέο μετά τη μεταπολίτευση.

In Stylida, Gkletsos bereitet sich vor, um nach dem Kreuz zu tauchen. Beste Nachricht seit der Zeit der Metapolitefsi.

@Conn_x: Ο Γκλέτσος σήμερα δεν θα βουτήξει. Θα περπατήσει πάνω στο νερό.

Heute wird Gkletsos nicht tauchen, er wird auf dem Wasser gehen.

Das Fest der Theophanie brachte auch Zynismus und kalte Tatsachen hervor, zum Beispiel von Teacherdude und Yns_x:

@teacherdude: ή Εορτή των Φώτων ακυρώθηκε φέτος – δεν πληρώσουμε το χαρτάτσι της ΔΕΗ
Die Phota Feier (Fest des Lichtes) wurde dieses Jahr abgesagt; Wir werden die zusätzlichen Steuern für die DEI (Öffentliche Energiegesellschaft Griechenlands) nicht bezahlen.
@yns_x: Στον Έβρο γιορτάζουν κάθε μέρα τα Θεοφάνεια -εκατοντάδες μετανάστες βουτούν στα νερά του προσπαθώντας να αγγίξουν το (όποιο) θαύμα.
Im Fluss Evros [natürliche Grenze zwichen Griechenland und der Türkei] wird Theophanie jeden Tag gefeiert: Hunderte Immigranten springen ins Wasser um nach einem Wunder zu tauchen, falls es eines gibt.

Dieser Artikel ist Teil des Dossiers Europa in der Krise.

Das Vorschaubild und das hervorgehobene Foto zeigen Christliches Fest der Epiphanie, Thessaloniki. Foto von Konstantinos Tsakalidis, copyright Demotix (06/01/2011).

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