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Reaktionen auf den SlutWalk Singapur

Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers SlutWalks 2011.

Hunderte haben sich zur Unterstützung von SlutWalk Singapur am vierten Dezember 2011 versammelt [en] und die Veranstaltung verursachte eine lebhafte Resonanz im Cyperspace. Die Organisatoren veröffentlichten diese öffentliche Einladung [en]:

Man muss sich selbst nicht als ‘Schlampe’ sehen um Teil eines SlutWalk zu sein. Wir laden dich ein, dich uns zum SlutWalk anzuschließen, um eine geeinte Aussage über sexuelle Übergriffe und Opferrechte zu machen und Respekt für alle zu fordern. Du musst deine Sexualität nicht offen zeigen, wir bitten dich nur, dich unserer Versammlung anzuschließen. Wir verlangen auch nicht von dir, dass du dich “aufmotzt”, denn das würde bedeuten in jene traditionelle Stereotype zurückzufallen, mit denen wir durch harte Arbeit zu brechen versuchen. SlutWalks Singapur bittet dich, zu KOMMEN WIE DU BIST – egal, ob in T-Shirt und Jeans, in Fischernetzen, in einem Sari, in einem Jackett oder einem Tudung. Egal, wie du dich visuell darstellst – wir heißen ALLE diejenigen willkommen, die der Meinung sind, dass die vorherrschenden Einstellungen zu der Frage, warum sexuelle Übergriffe stattfinden, sich ändern müssen.

A Wolf's Tale sah mehr als 600 Menschen [en] im Park:

Die Organisatoren hatten eigentlich mit 300 gerechnet, aber 600 kamen, viele begleitet von ihren Ehepartnern oder Partnern. In gewisser Weise bin ich froh zu sehen, dass Partner das Ereignis unterstützen. Der Regen dämpfte die Begeisterung nicht, doch er verscheuchte einige Teilnehmer. Aber ich liebe die Energie – es gab Musik, Thaiboxen, Gespräche und leckere Getränke. Neue Leute treffen und sich mit ihnen unterhalten. Ich liebe es!

Slutwalk Singapur. Photo von Irene Ma

Slutwalk Singapur. Photo von Irene Ma

Shawn Bryon Danker war gespannt [en] zu erfahren, was die SlutWalk Bewegung ist, und nahm an der Veranstaltung teil:

Ich, als Mann der sowohl von dem nicht vorhandenen progressiven Denken unserer Gesellschaft und der allgemein abgestumpften Einstellungen der Trolle gegen diese Bewegung entsetzt ist, bin am Sonntag hingegangen, um mit meinen eigenen Augen zu sehen, worum es bei der SlutWalk-Bewegung geht. Ich wollte dem, was ich als eine Fortsetzung der alten Bürgerrechtsbewegung ansah, meine Unterstützung geben, ein Aufruf oder eine sanfte Mahnung wenn man so will, für die Erneuerung der Toleranz und Akzeptanz innerhalb unserer Gesellschaft – etwas, das meiner Meinung nach viele von uns in diesen modernen Zeiten aus den Augen verloren haben.

rrrett erklärt ihre Gründe [en] dafür, sich der Sache anzuschließen:

Ich glaube es jetzt und hier hört die Scham auf. Mit dem Gedanken an SlutWalk werde ich jeden Tag ein bisschen weniger beschämt sein. Und wenn das bedeutet, dass ich über Probleme spreche, von denen ich nie jemandem erzählt habe, dann sei das so. Denn wenn ich mit 16 das geglaubt hätte, was ich jetzt glaube, hätte ich in den vergangenen 8 Jahren sehr viel weniger Zeit damit verbracht mich zu schämen, und sehr viel mehr Zeit damit, empört zu sein und auf eine Lösung hin zu arbeiten.
Für mich, für uns, für jedes Mädchen das es weitaus schlimmer hatte und mit schmerzhaften Geheimnissen lebt, ist das hier der Plan, und er beginnt mit SlutWalk Singapur: Mehr Reden, Weniger Scham.

Es gibt jedoch Blogger, die verschiedene Fragen und Probleme bezüglich SlutWalk aufwarfen. Die Lycan Times zitiert die Schwachstelle [en] der Aktion:

…niemand fragt, wie Slutwalk verhindern wird, dass mehr Frauen durch Sexualstraftäter zu Schaden kommen. Sicher, es kann hilfreich für die Opfer sein, wenn sie nicht mehr beschuldigt werden, an ihrem eigenen Unglück schuld zu sein, aber bringt Slutwalk den Frauen in irgendeiner Form bei, wie sie sich schützen können? Es scheint mir, dass es die Risiken eines bestimmten Kleidungs- und Verhaltensstils vollkommen ignoriert. Das ist schlichtweg unverantwortlich. Sind sich die Organisatoren von Slutwalk überhaupt des unerwünschten Eindrucks bewusst, dass sie jetzt nicht viel mehr als ein Haufen Leute sind, die es einfach ablehnen sich verantwortungsbewusst zu verhalten, sogar sich selbst gegenüber?

LCC rät Frauen an, vorsichtiger [en] mit ihrer Kleidung zu sein:

Und vielleicht sollten wir tatsächlich Männer dazu erziehen, Frauen mit angemessenem Respekt zu behandeln, unabhängig davon wie sie angezogen sind, und sollten wir unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, permanente strukturelle Lösungen zu finden, die Sexualverbrechen ein für allemal eliminieren. Allerdings wird solch ein Ansatz nicht in der nahen Zukunft ausgeführt werden. Daher wäre es vielleicht in der Zwischenzeit klug von den Frauen, weise in der Wahl ihrer Kleidung zu sein, um sich gegen unerwünschte männliche Aufmerksamkeit zu schützen, und wenn sie denn Kleidung tragen müssen die Sexualstraftäter anzieht, wäre es klug von ihnen, andere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel indem sie wachsam sind, ein Verteidigungshilfsmittel mit sich herumtragen, mit dem sie Verbrecher abschrecken können und so weiter.

Musings von Lion City findet, dass die Organisatoren nicht den Namen ‘SlutWalk’ benutzen sollten [en]:

Ich habe kein Problem damit, einen “SlutWalk” in Singapur zu haben, aber der “SlutWalk” am Wochenende ist nicht wirklich ein “SlutWalk”. Von dem was ich in den Zeitungen gesehen habe, kamen die Frauen in langärmligen T-Shirts und Jeans zum “SlutWalk”. Ja, ich weiß, dass die Organisatoren gesagt haben, dass die Idee dahinter nicht war, provokativ zu sein oder sich “aufzumotzen”, sondern gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren. Wenn das der Fall ist, sollten sie nicht den Namen “SlutWalk” benutzen.

Kirsten ist enttäuscht über die uninformierten Einwände [en] gegen SlutWalk:

Wie zu erwarten hat SlutWalk eine recht hitzige Debatte in Singapur verursacht, und es gibt viele, viele Leute die aus unterschiedlichen Gründen dagegen sind. Ich respektiere, dass manche Leute ihre persönlichen Gründe haben, um SlutWalk nicht unterstützen zu wollen, und das ist in Ordnung. Niemand sagt, dass jeder in Singapur an dieser Veranstaltung teilnehmen oder die Botschaft verbreiten muss wenn man es nicht will.

Allerdings wird es ärgerlich, wenn die Ablehnung der Leute gegen SlutWalk von Ignoranz oder Engstirnigkeit herrührt, oder wenn diese Leute sich darauf verlegen, den Organisatoren und Unterstützern von SlutWalks Beschimpfungen entgegen zu schleudern.

MsDemeanour Singapore schreibt über den Erfolg [en] von SlutWalk Singapur:

SlutWalk hat sich seinen Kritikern und Skeptikern gestellt und triumphiert. Diejenigen die der Meinung waren, dass sexuelle Gewalt kein Problem in Singapur ist, und dass SlutWalk Singapur lediglich auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist. Diejenigen sind für gewöhnlich die Leute, die die Probleme vor ihrer eigenen Haustür nicht zu erkennen scheinen oder nicht erkennen wollen. Aber selbst wenn das in Singapur kein Problem wäre, warum sollten wir aufhören, mit ernsten Problemen mitzufühlen, die im Rest der Welt passieren, nur weil wir sie vor unserer eigenen Tür nicht wahrnehmen?

Der Twitter-Hashtag #slutwalksg wurde genutzt, um über die Veranstaltung zu berichten.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers SlutWalks 2011.

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