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Mexiko einig in Ablehnung der Fernsehserie „The Team“

Die Fernsehserie „The Team“ erzählt fiktive Geschichten des Triumphes und des Heroismus in der Eliteeinheit der mexikanischen Bundespolizei. Produziert von Pedro Torres und dem mexikanischen Fernsehgiganten Televisa, wurde die Serie am 9. Mai 2011 zum ersten Mal und zur Hauptsendezeit ausgestrahlt.

Gemeinsam mit dem Sekretariat für Öffentliche Sicherheit und deren Vorsitzenden Genaro García Luna (in Mexiko wird der Aufgabenbereich der Inneren Sicherheit durch ein eigenes Regierungsorgan der Ministerienebene wahrgenommen) kooperierte die Bundespolizei mit den Herstellern der Serie.

Die Serie traf auf vielfaches Echo in einer ausgesprochen sensibilisierten mexikanischen Öffentlichkeit, welche informiert ist über so gut wie jede Äußerung und Aktivität von Seiten der Regierung und der Armee im Zusammenhang mit dem Krieg gegen das organisierte Verbrechen (Siehe den Sonderbericht von Global Voices).

Bild von Flickr-User Jesús Villaseca P (CC BY-NC-SA 2.0)

So gibt der Meinungsführer und Blogger Sopitas seinem Unbehagen Ausdruck, dass die momentanen Gewaltprobleme des Landes ausgerechnet von einem Melodrama aufgegriffen werden. Gleichzeitig leitet er ab, welches die eigentlichen Ziele der Ausstrahlung eines solchen Werkes sein könnten:

Die Wahrheit ist folgende: Selbst aus der distanzierten Perspektive eines Außenseiters ist es einfach unbehaglich, die realen Probleme, mit denen das Land so erbittert zu kämpfen hat, als Handlungskern einer Fernsehserie zu sehen, deren Innersten zudem jedwede verfügbare Marketingstrategie beigemischt wurde. Aus der Position eines Kritikers muss man sagen, dass es scheint, als ob sie einen einfachen Weg suchten, das öffentliche Vertrauen und die Glaubwürdigkeit der Bundespolizei wiederherzustellen. Mit anderen Worten, dies ist eine  Strategie um einen Krieg zu legitimieren, den mehr und mehr als ungerecht wahrnehmen, und dies mittels eines Produktes, welches die Menschen täglich und üblicherweise eher unkritisch konsumieren, nämlich der Fernsehserie.

Ciudadano X denkt in eine ähnliche Richtung in seinem Blog-Eintrag, „Warum Garcia García Luna kündigen sollte“:

Drittens sollten wir nicht vergessen, dass die traurige Berühmtheit der Producciones García Luna nur herausstreicht, dass der genannte Beamte mehr Interesse daran zeigt, ein vorteilhaftes Bild in den Medien abzugeben denn daran, seine Pflichten einwandfrei auszuführen. Und was haben sie erreicht? Durch ihre Inkompetenz dienten sie als Entschuldigung für Verbrechen (wie in der satirischen Darstellung von „La Barbie“). Umso schlimmer: dank ihrer Dämlichkeit – (anders kann man es nicht nennen) – entging  beinahe die Entführerin Florence Cassez. Die letzte Folge von „The Team“ ist schlichtweg eine Beleidigung der Zuschauer, welche ja bereits von Televisa straflos misshandelt wurden.

Pepe Flores für Vivir Mexico spricht dagegen offen aus, was das Publikum als Ziel der Serie wahrgenommen hat:

Das Programm wurde dafür angegriffen, eine propagandistische Vision der Ereignisse zu liefern und als Werbeplattform und Rechtfertigung für die militärische Strategie des Kampfes gegen Drogen bezeichnet.

Derselbe Autor fasst die Erklärung eines Journalisten zusammen, warum „The Team“ in den nächsten Tagen abgesetzt werden wird:

Laut dem Journalisten Jorge Carrasco wurde auf ranghohen Positionen der mexikanischen Armee mit Missfallen aufgenommen, wie sich der Vorsitzende des Sekretariats für Öffentliche Sicherheit mittels einer Fernsehserie für sich selbst Werbung macht.

Blogger Jenaro Villamil teilt diese Ansicht und bezieht sich außerdem auf die Einschaltquoten, welche von der Serie erreicht wurden.

Die Armee mochte sie nicht, die Bundesgesetzgeber noch weniger und selbst ein Großteil der Zuschauer sahen sie als Kreuzung aus Melodrama und Actionserie, die einfach nicht funktioniert. Selbst auf sozialen Netzwerken, besonders auf Twitter, wurde sie als schäbiger Versuch bewertet, Genaro García Luna zu nützen.

Zuguterletzt wird „The Team“ am 27. Mai abgesetzt werden, trotz der finanziellen und logistischen Unterstützung durch das Sekretariats für Öffentliche Sicherheit, und dies aus einem einzigen Grund: Die Einschaltquoten waren sehr niedrig, und das, obwohl die Serie zur Hauptsendezeit zwischen 10:00 und 10:30 auf Channel 2 ausgestrahlt wurde.

Über das Ende der Fernsehserie hinausgehend spekuliertAnimal Político

über die politischen und juristischen Folgen, welche die kontroverse Serie für das Sekretariat für Öffentliche Sicherheit haben könnte:

Drei Tage nach der Saisonpremiere hat die El PRD [Partido de la Revolución Democrática] in der Abgeordnetenkammer eine Beschwerde gegen García Luna eingereicht, um mutmaßliche Unregelmäßigkeiten in der Produktion der Serie The Team zu untersuchen,  insbesondere im Zusammenhang mit der Erlaubnis, die Ausrüstung des Ministeriums zu nutzen und reale Strategien zur Verbrechensbekämpfung in der Serie zu zeigen.

Fraktionssprecherin Leticia Quezada (@Leticia_Quezada) überreichte die Beschwerde und argumentierte, Anlagen des Sekretariats für Öffentliche Sicherheit seien benutzt worden, welche als strategisch und für die nationale Sicherheit relevant klassifiziert sind. Neben Zugriff durch Fremdpersonal sei auch die Nutzung von Waffen und Helikoptern aus diesen Anlagen erlaubt worden.

Es scheint als habe sich bezüglich dieses Themas ein Konsens in der Blogger-Gemeinschaft entwickelt, trotz seines sensiblen und umstrittenen Charakters – so schwer dies auch fällt in einer Öffentlichkeit, welche sich in einem Krieg verwickelt findet, zu dem es viele widersprüchliche Haltungen gibt.

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