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Haiti: Sagt “NEIN” zu Monsanto

Monsanto ist seit Jahren eine kontroverse Firma, hauptsächlich deswegen, weil sie ein wichtiger Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut ist (angeblich verkauft sie ungefähr 90% des in den USA gentechnisch veränderten Saatgutes) und hat den Ruf zur Beibehaltung ihres Vorsprungs mit fragwürdigen Methoden zu arbeiten (einschließlich von politisch mächtigem Lobbying, hart umkämpften Rechtsstreitigkeiten und Lizenzvereinbarungen, die angeblich vielen Kleinfarmern wehtun).
Jetzt kommt Haiti. Mit einer bereits schwachen Wirtschaft, die von den am 12. Januar stattgefunden Erdbeben zuzätzlich stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, muss das Land kämpfen, sich mit der neuen Realität abzufinden. Eine zuverlässige Versorgung mit Lebensmitteln ist offensichtlich eine große Sorge und Monsanto hat versucht, dabei einen Fuß in die Tür zu bekommen, und zwar mittels “einer Spende von konventionellen Mais-und Gemüsesamen an die Landwirte in Haiti, um die Nahrungsmittelproduktion zu erhöhen und der langfristigen Erdbeben Wiederherstellung zu helfen.” Die Website des Unternehmens erkennt den daraus resultierenden Aufschrei, lehnt ihn aber wie folgt ab:

Ein kleine Gruppe protestierte unter Benutzung der Online-Medien. Anfangs behaupteten sie, Monsanto würde gentechnisch verändertes Saatgut spenden. Das haben sie aufgegeben und dafür die Spende von Hybrid-Saatgut angegriffen. Danach behaupteten Sie, es handele sich um Bemühungen GVO-Saatgut in das Land zu schmuggeln.

Phantasievoll, ja. Richtig, nein.

Bei unserer Spende von Hybrid-Saatgut an Haiti handelt es sich um die Landwirte, die Menschen und Nahrung.

Haitis Bauern brauchen Saatgut von guter Qualität, denn je besser die Samen, desto besser sind die Chancen für mehr Nahrung aus dem gleichen Boden.

Haitis Menschen brauchen Nahrung – bessere Nahrungs-Qualität, mehr Nahrung und mehr nahrhafte Lebensmittel.

Die Webseite bringt auch andere Artikel, die erklären, wie die Verwaltung und Verteilung des Saatguts in Haiti funktionieren würde. Aber das hat wenig dazu beigetragen, die Sorgen von Monsantos Neinsagern – oder haitianischen Landwirten – zu beseitigen, die Anfang Juni einen Protest gegen die “Spende” organisierten und dabei mehr als 400 Tonnen Hybrid-Mais und Gemüsesamen verbrannten. Haitianer sind ungefähr so empfänglich für die Überschwemmung ihrer lokalen Landwirtschaft mit Hybridsaatgut, die sie unverblümt als “ein neues Erdbeben” bezeichnen, wie über mehr Nachbeben.

La Via Campesina (Website eines globalen Bundes der Landwirte) berichtet:

Gemäß Chavannes Jean-Baptiste, dem Führer der Bauernbewegung von Papay (MPP) und Sprecher der Nationalen Bauernpartei des Kongresses von Papaye (MPNKP), bedeutet die Einfuhr von Monsanto-Saatgut in Haiti ‘einen starken Eingriff in die kleine Landwirtschaft, auf die Landwirte, biologische Vielfalt, Creole Saatgut … und was von unserer Umwelt in Haiti noch übrig geblieben ist.’

Während Monsanto als einer der weltweit größten Lieferanten von gentechnisch verändertem Saatgut bekannt ist, haben die Unternehmens-Sprecher betont, dass es sich bei dieser besonderen Spende um herkömmliches Hybrid-Saatgut handelt und nicht um gentechnisch verändertes Saatgut. Trotzdem ist dieser Unterschied für viele von Haitis Farmern von geringer Bedeutung.

“Die Grundlage für Haitis Ernährungssouveränität ist, dass die Farmer die Möglichkeit haben, Samen aus einer Saison für die nächste zu verwenden. Die Hybrid-Pflanzen, die Monsanto einführen möchte, produzieren keine Samen, der für die nächste Saison aufgehoben werden könnte. Deshalb wären die Farmer, die sie benutzen würden, in jeder Saison dazu gezwungen mehr und neues Saatgut zu kaufen.” erklärte Jean-Baptiste Bazelais, ein Agronom der MPP, der zurzeit das “Seeds for Haiti”-Projekt in New York City leitet.

“Außerdem braucht man für dieses Saatgut teure synthetische Düngemittel und Pestizide, die sich Haitis Bauern einfach nicht leisten können. Dies schafft einen verheerenden Grad der Abhängigkeit und ist eine völlige Abkehr von der Realität für die Bauern Haitis. Haitianische Bauern haben bereits lokale Samen, die über Generationen hinweg entwickelt wurden und sich angepasst haben. Was wir brauchen, ist Unterstützung, sodass die Bauern Zugang zu den traditionellen Samen haben, die bereits verfügbar sind,”

Netizen scheinen überwiegend der Ansicht zu sein, dass die Monsanto-Spende an Haiti nicht bedingungslos ist, was aus diesem Beitrag sehr klar hervorgeht:

Die Sorgen der sozialen Bewegungen in Haiti beziehen sich nicht nur auf die Gefahren der Chemikalien und die Möglichkeit zukünftiger GVO (gentechnisch veränderte Organismen) Einfuhren. Sie behaupten, dass die Zukunft von Haiti auf der lokalen Produktion mit lokaler Nahrung für lokalen Verbrauch basiert, etwas was Ernährungssouveränität genannt wird. Monsantos Ankunft in Haiti, sagen sie, ist dafür eine weitere Bedrohung.

Um den Zeitpunkt der geplanten Demonstration gegen Monsanto brummte es bei Twitter – @ RAMHaiti war besonders lautstark:

Großer Tag: Haiti Bauern organisieren heute Demonstration gegen Monsanto!!

Bewegung Paysan Papay organisiert heute Demonstration gegen Monsanto in Hinche

Monsanto, was ich gehört habe: genetisch veränderte Samen, giftige Pestizide, Patente und Prozesse kommen mit Samen, Preiserhöhungen @ sbois76.

Bauern Organisationen in Haiti erheben heute ihre Stimmen gegen Monsanto. Haitische Regierung arbeitet mit Monsanto zusammen

Google Monsanto. Es scheint, sie entwickeln Abhängigkeiten, dann erhöhen sie die Preise und bringen Rechtsstreitigkeiten, giftige Pestizide usw. @Saramouche

Ich höre 10.000 Menschen bei der Anti-Monsanto Demonstration in Haiti.

Ein anderer Twitter Benutzer, @ HaitiRewired, veröffentlichte einen Link der Tweeple mit einigen “wirklich sehr interessanten und informierten Diskussionen über Hybrid-Saatgut in Haiti” verbindet.
Blogger gaben ebenfalls ihre unmaßgeblichen Meinungen bekannt. Eine haitianische Frau, Elsie, die in Paris lebt, kommentiert auf ihrem Blog:

Aux lendemains du tremblement de terre, toutes les stars y sont allées de leur petit chèque, un petit million par ci, deux par là, histoire de se donner bonne conscience et se faire une super promo aux yeux du monde. Puis, quelques jours plus tard, plus rien, tout le monde a oublié les habitants. A part peut-être la multinationale Monsanto, qui vient d’offrir 476 tonnes de semences aux agriculteurs haïtiens. Un geste solidaire et gratuit ? Vu le passé de l’entreprise, on se doute que non…

Nach dem Erdbeben sind alle Stars nach (Haiti) gegangen, mit einem kleinen Check hier und einer kleinen Millionen da … nur um ein reines Gewissen zu haben und sich in den Augen der Welt hervorzutun. Dann, ein paar Tage später, nichts, alle haben sie die Einwohner vergessen. Außer vielleicht das multinationale Monsanto, das vor Kurzem den Farmen von Haiti 476 Tonnen Saatgut anbot. Eine Geste der Solidarität und kostenlos? In Anbetracht der Vergangenheit dieser Firma glauben wir das kaum …

Sie geht bei diesem Beitrag noch einen Schritt weiter und zeigt ein Video, wobei sie Monsantos Angebot ein “tödliches Geschenk” nennt. Nach der Demonstration gratuliert sie den haitianischen Farmern zu ihrer Entschlossenheit und applaudiert jedem, der sie unterstützte [Fr]; Unterdessen veröffentlicht The Haitian Blogger ein Merkblatt über Monsantos Spende mit seinem Beitrag “Epischer Kampf der haitianischen Farmer ums Überleben”.

Diaspora Blogger Ezili Danto bringt es ganz einfach:

Die Kolonialisierung von Haitis Nahrungsmitteln und Saatgut ist kein Erdbebenhilfe.

@ RAMHaiti gibt ihre Position in einem kürzlichen Tweet wieder:

Saßen die haitianischen Farmer mit am Tisch, als irgendjemand beschloss, die haitianische Wirtschaft zu verändern? Sitzen Sie jetzt mit am Tisch?

Die Diskussion geht bei Facebook weiter.

Die in diesem Beitrag benutzte Miniaturansicht stammt vom ‘The Sierra Club’ und wird unter der A-SA Creative Commons Lizenzvereinbarung benutzt. Besuchen Sie The Sierra Club's flickr photostream.

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