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Haiti: Außerhalb der Hauptstadt

Ein Großteil der Berichterstattungen über die Zerstörungen nach dem Erdbeben hat sich auf, und um Haitis Hauptstadt Port-au-Prince konzentriert. Aber viele andere Gebiete in der Nähe des Erdbeben Epizentrums wurden ebenfalls betroffen, und viele Blogger haben schnell darauf hingewiesen…

Jacmel ungefähr fünfundzwanzig Meilen südlich von Port-au-Prince gelegen, ist ‘hilflos und im zunehmenden Maße verzweifelt’, gemäß einer Wiederveröffentlichung in Repeating Islands eines Auszuges des “preisgekrönten Reporterteams des Miami Herald:

Einwohner von Jacmel, einer malerischen, historischen Hafenstadt der Karibik, die große Schäden erlitten hat und von Port-au-Prince im Norden abgeschnitten ist, beklagen sich, dass sie vergessen worden sind. Vier Tage nach dem Beben, dass Jacmel mit gleicher Kraft getroffen hatte, warten sie immer noch auf Nahrungsmittel, Wasser, Medikamente und die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen.

Trotz der Unzufriedenheit des Blogs “über die Art der Berichterstattung im amerikanischen Fernsehen und den anderen Medien über das Erdbeben in Haiti”, folgt er in einem anderen Beitrag dem Herald-Team, welches über ein anderes Gebiet berichtet, dass sehr wenig Medien-Aufmerksamkeit erhalten hat: Carrefour:

Diese Stadt, die am Dienstag im Epizentrum des Erdbebens lag, lebt im Epizentrum der Vergessenheit.

Pwoje Espwa – Hope in Haiti berichtet unterdessen über die Hilfsaktionen, die in Les Cayes stattfinden:

Im Gegensatz zu der Situation in PAP, leitet die UN die Hilfsmaßnahmen in Les Cayes und bildet die Koordinierung und Bereitstellung einer Plattform für die Bemühungen aller NROs, die in diesem Gebiet arbeiten. Es gibt in Les Cayes sehr wenig Brennstoff zu kaufen und die UN hat sehr wenig übrig. Das UN-Personal ist sich nicht sicher, wann Lebensmittel und Treibstoff geliefert werden. Wir sind alle sehr nervös darüber. Ein kommerzieller Flug von Tortugair kam heute Nachmittag aus Cap Haitian in Les Cayes an und brachte eine Gruppe von 8 orthopädischen Chirurgen, um in dem Krankenhaus zu arbeiten.

Wenn die Leute aus der zerstörten Hauptstadt hier ankommen, werden wir ihnen auf jede Art und Weise helfen, soweit wir können. Einige brauchen Geld, um zu ihrer Familie an der Küste oder im Inland zu gehen; einige brauchen ärztliche Behandlung; alle sind hungrig und durstig; fast alle brauchen Kleidung und Schuhe sowie Dinge für die persönliche Hygiene. Eine ganz einfache Angelegenheit wie dieser jungen Frau mein Handy zu leihen, sodass sie ihre Mutter anrufen konnte, um ihr zu sagen, sie sei am Leben und in Cayes, war für sie und ihre Mutter eine enorme Erleichterung.

Konbit Pou Ayiti sagt: “Haiti KONPAY spielte eine kritische Rolle bei der Koordinierung einer schnellen Reaktion auf die Krise in Jacmel und Port-au-Prince…und verfolgten dabei zwei wesentliche Strategien”:

1. Durch die Koordinierung des Transports von Gütern und Helfern lieferten Sie den Menschen in Jacmel und Port-au-Prince unmittelbare Unterstützung. Sorgfältige Planung der Hilfsmaßnahmen durch die Freiwilligen, um eine Verschärfung der sich entwickelnden Nahrungsmittel-und Wasserknappheit zu vermeiden.

2. Unterstützung für die Evakuierung von Port-au-Prince und Schaffung der notwendigen Ressourcen, um den Opfern bei ihrer Ankunft auf dem Land zu helfen, Beurteilung der bestehenden Ressourcen in den Randregionen und den Transport von Teams und Ausrüstung in die Kliniken.

Der Bericht fährt mit einem Beitrag von “Amber Munger vor Ort in Port-au-Prince” fort:

Hier sind ein paar Einzelheiten über die Schäden in Jacmel, einer Stadt von 34.000 Einwohnern:
· 1785 Häuser völlig zerstört
· 4410 Häuser teilweise zerstört
· 87 Gewerbebetriebe zerstört
· 54 Schulen zerstört
· 24 Hotels zerstört
· 26 Kirchen zerstört
· 5730 Familien vertrieben
· Anzahl der Toten nähert sich 3.000, fast 10% der Bevölkerung
(berichtet von Gwenn Mangine, www.mangine.org)

Mangine zeigt auch Bilder des (stark beschädigten) allgemeinen Krankenhauses, mit weiteren Updates am Sonntag, den 16.

… wir bemerkten, dass die Haupt-Apotheke in der Stadt offen war. Und so sind wir reingegangen und haben von allem gekauft, was sie hatten – Alkohol, Händedesinfektionsmittel, Peroxid, Wundversorgung Produkte, Medikamente… (eine ganze LKW-Ladung).

Gestern erwarteten wir eine große Lieferung, aber wir bekamen nur eine einzige Box. Trotzdem rannten wir damit zu Krankenhaus. Hauptsächlich Antibiotika und Trauma-Pflegemittel – beide werden dringend gebraucht. Die Ärzte waren begeistert.

Pye in Haiti spricht über die “verrückte Geschäftigkeit” am lokalen Flugplatz:

Wir hatten ein startbereites Flugzeug voller Hilfsgüter, aber der Flughafen in San Juan wollte das Flugzeug mit den Medikamenten nicht weglassen… Wir hoffen, dass heute die Flüge mit Vorräten und Medizin beginnen werden.

Und Darren Tyler von Conduit-Mission, der versucht hat, Hilfslieferungen mit einem Boot nach Jacmel zu senden, informiert über die Beobachtungen eines Mitgliedes seiner Organisation vor Ort:

Der Hafen kann benutzt werden, Kreuzfahrtschiffe können hierher kommen. Wir brauchen dringend Hilfe in dieser Stadt. Was für Lieferungen sind auf dem Boot? Wie schnell können sie hierher kommen? Wir haben das Gefühl, dass die Leute hier mehr und mehr frustriert und verängstigt sind…

Bei Twitter gibt es regelmäßig Updates. @ melindayiti stellte fest (15. Januar), “Jacmel ist ein Chaos – wir haben Flugzeuge und Boote aber die US-Koordinatoren geben sie nicht frei!” Und fügte ein paar Stunden später hinzu: “2 Boote sind unterwegs, aber immer noch keine Freigabe für die Flugzeuge mit den so dringend benötigten Ärzte-Teams”.

@ RescueJacmel, ein neues Twitter-Konto bemüht sich in der Zwischenzeit darum, dass die kleine Stadt bei den internationalen Rettungsmaßnahmen nicht übersehen wird.

Video-Blogger zeichnen ebenfalls ihre Erfahrungen auf und die Clips von Les Cayes und Jacmel erregen bei YouTube und anderen Video-Sharing-Websites viel Aufmerksamkeit. Augenzeugenberichte über das Erdbeben wurden auch von dem Cine-Institut in Jacmel hochgeladen.

Lougou Corner ist ein Blog, der gerne Informationen aus seiner Gemeinde weitergibt:

# Wir haben mit Ginette zuletzt am vergangenen Donnerstagabend gesprochen und sie sagte uns, dass die Abwanderung von Menschen aus Port-au-Prince, die zurück in die Provinz und die ländlichen Gebiete ziehen, bereits begonnen habe.

# Wir haben mit einigen Ministerien in Cayes per E-Mail Verbindung aufgenommen, die berichteten, dass die Krankenhäuser in Cayes mit Patienten, die aus Port und anderen betroffen Landgebieten zurückkommen, überflutet sind.

Wir haben in Lougou as erster Hand gesehen, wie eine ganze Gemeinde sich verändert, wenn die Einwohner ein Mitspracherecht bei Problemen haben, die ihr eigenes Leben betreffen. Sie haben die besten Kenntnisse über das, was getan werden kann und soll, um ihre dringendsten Bedürfnisse zu erfüllen und dauerhafte Veränderungen in ihrer Gemeinde zu erreichen.

Und von einem in den USA lebenden Blogger der karibischen Diaspora kommt schließlich noch dieser ergreifende Bericht eines Freundes, der versuchte seine Mutter wahrscheinlich in der Nähe von Port-au-Prince zu finden:

‘Als wir zu dem Wohnblock kamen, bin ich zuerst an dem Haus vorbeigelaufen, weil ein großer Teil davon zerstört worden war. Das Fitness-Center auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde ebenfalls komplett vernichtet und zwischen den Backsteinen kam ein sehr starker Geruch hervor. Als ich die Leute fragte, ob sie meine Mutter kennen, schüttelten sie nur den Kopf, bis ich ihren Spitznamen ‘Tita’ nannte. Und sie sagten “Oh ja,” mit Freude in ihren Augen. “Sie ist in dem Haus direkt nebenan.”

‘Ich öffnete die Tür. Sie drehte mir den Rücken zu. Ich tippte ihr auf die Schulter. Die Überraschung, die Tränen, die Umarmung so schwer zu erklären. Es war ein unglaublicher Augenblick. Sie drückte mich so hart, verrückt vor Freude. Sie marschierten mich die Straße hinunter. Hier ist mein vierter Sohn. Er suchte mich,” rief sie.

Wir können nur auf ähnliche Geschichten aus den betroffenen Gebieten hoffen.

Weitere Informationen über das Erdbeben in Haiti finden Sie auf unserer Sonderseite.

Nicholas Laughlin trug zu diesem Beitrag bei.

Die Miniaturansicht, die in diesem Beitrag benutzt wird, Delmas 33, ist von AIDG, unter einer Creative Commons Lizenz. Besuchen Sie AIDGs Flickr photostream.

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