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Marokko: Der Krieg gegen die Presse geht weiter

Die Angriffe der marokkanischen Behörden auf unabhängige Journalisten verstärken sich. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass die Behörden die Presse, sowohl die gedruckten als auch die online Medien, wegen angeblicher Verstöße hart angreifen. Die Überwachungsorganisation für Pressefreiheit Reporter Ohne Grenzen beurteilen heute die Lage der Pressefreiheit im Land als “schwierig” und verurteilt eine “Justiz, die ein ganzes Arsenal von Sanktionen einsetzt, um die unabhängige Presse einzuschüchtern und finanziell zu ersticken.”

Der jüngste bekannte Angriff ist eine Gefängnisstrafe, die am Montag von einem Gericht in Casablanca gegen Said Laâjal, einem Journalist von Al Massa'e, einer weitverbreiteten Tageszeitung, und seinem Verleger Rachid Nini, ein beliebter Kolumnist, ausgesprochen wurde. Beide Journalisten wurden wegen der “Veröffentlichung falscher Informationen” im Zusammenhang mit einem Artikel über den Drogenhandel angeklagt. Nini hat erklärt, dass er gegen das Urteil keine Berufung einlegen wird (Quelle: AFP). Blogger haben über den Fall und den Stand der Dinge nachgedacht.

eatbees, ein amerikanischer Schriftsteller, Fotograf und Blogger, der in Marokko lebt, hat so seinen Verdacht über die wirkliche Motivation der Staatsanwälte. Er schreibt:

Das ist die Kriminalisierung des Journalismus, schlicht und einfach. Reporter machen manchmal Fehler und berichten Dinge, die sich als falsch erweisen. Es gibt viele Möglichkeiten, das zu behandeln, aber die Journalisten ins Gefängnis zu schicken, ist keine davon. Ich habe den starken Verdacht, dass Nini und Laâjal verfolgt wurden, nicht aufgrund der Umstände dieses Falles, sondern weil sie eine wichtige Person in Verlegenheit gebracht haben. Oder vielleicht war das auch nur eine bequeme Möglichkeit Nini zu überführen, der als Herausgeber der meistgelesenen Zeitung in Marokko und Autor einer von den meisten Leuten gelesenen meinungsbildenden Kolumne, langsam zu einer eigenständigen Macht wurde.
Wenn Nini sein Gelöbnis, keine Berufung einzulegen, wahr macht, wäre das ein Akt des Mutes und des zivilen Ungehorsams. Es wird ihn in den Augen von Millionen von Marokkanern zu einem Märtyrer für die Pressefreiheit machen. Viel Glück damit, marokkanischer Staat.

Es sollte auch erwähnt werden, dass der Journalist bereits zu einer hohen Geldstrafe wegen Beleidigung verurteilt wurde, welche die gesamte Publikation in den Konkurs zu stürzen drohe, schreibt Blogger Ibn Kafka [Fr] kürzlich und bezieht sich dabei auf einen Brief, der angeblich von Nini geschrieben worden ist, in welchem er um ein königliches Pardon bittet:

Rachid Nini vit légitimement Fort bien de cette florissante entreprise de presse (dans le contexte de la presse verwüsten marocaine) …\u2028[Il] aurait une adresse supplique au Roi […] dans laquelle il demande l'Absolution im Fischereisektor – en clair, la grâce pour son journal. Rien ne permet de garantir cette information, qui en soi n’est pas infâmante.

Rachid Nini führt mit seinem erfolgreichen Presse-Unternehmen ein legitim bequemes Leben (relativ zu der verwüsteten marokkanischen Medienlandschaft) …
Einige Leute glauben, Nini hat ein Bittgesuch an den König gesandt, in welchem er um Vergebung seiner Sünden bittet – im Klartext bittet er um Verzeihung für seine Zeitung. Es gibt für diese Informationen keine Bestätigung, die an sich auch nicht anrüchig sind.

Rachid Nini löste kürzlich Kontroversen aus, als er öffentlich einen seiner Journalisten verleumdete, der Unterstützung für die von der Regierung schikanierten und verfolgten Kolleginnen und Kollegen zeigte. Larbi, der bei jetée Comme une bouteille à la mer! bloggt, meint [Fr], dass Nini dafür keine Haftstrafe verdient, noch sollte man den Journalisten als Held betrachten. Er schreibt:

[H] eureusement que tout le monde n'a pas la même conception de la liberté d'expression et la liberté de presse que celle de Monsieur Nini. La place des journalistes n'est pas la prison mais dans leurs rédactions. Cela vaut pour tous les journalistes. Cela vaut pour Monsieur Nini. Et encore plus pour le journaliste Saïd Laâjal. La place de Rachid Nini et de Saïd Laâjal n’est pas la prison mais dans leur rédaction. Je suis bien entendu solidaire avec Rachid Nini et Saïd Laâjal. Parce que la peine de prison ferme qui leur est infligée est injuste au vu de ce qui leur est reproché. Et parce que même Monsieur Nini a a droit à ce qu’il a toujours dénié aux autres : exercer son métier de journaliste et s’exprimer librement, sans intimidations et sans procès arbitraires débouchant sur des peines infamantes.

Glücklicherweise verstehen nicht alle das Gleiche wie Mr. Nini, was Pressefreiheit und Meinungsfreiheit betrifft. Der Platz eines Journalisten ist nicht im Gefängnis, sondern in seinem Büro. Das gilt für alle Journalisten. Das gilt auch für Mr. Nini. Und noch mehr so für Said Laâjal. Der Platz für Rachid Nini und Said Laâjal ist nicht im Gefängnis, sondern in ihren Büros. Ich unterstütze natürlich Rachid Nini und Said Laâjal , weil die Haftstrafe, die gegen sie verhängt wurde, im Lichte dessen, für was sie beschuldigt werden, unfair ist. Und weil sogar Mr. Nini das Recht hat, was er anderen immer verweigert hat: d. h. die Ausübung seines Berufes als Journalist und Redefreiheit ohne Einschüchterungen und willkürliche Verurteilungen, die zu den berüchtigten Strafen führen.

Eine Meinung, die auch von Naoufel geteilt wird, der erklärt [Ar], dass für alle gelten sollte, auch für Mr. Nini. Er schreibt:

هو بالنسبة لي شخص وقح .. انتهازي و متملق، يكتب ضد أي شيء إلا الملك..يحاكم الحكومة و الشعب و زملائه في الصحافة لكنه لا يتجرأ أن يقترب من مربع القصر رغم أن اصغر طفل في المملكة التي لم تعد شريفة يعرف أن أصغر قرار لا يمر دون دراية الملك..كتب ضد من كانوا زملائه[…]
الآن..هل نتضامن معه؟
لا خيار آخر

Für mich ist Nini arrogant, opportunistisch und niederträchtig (sic). Er ist gegen alles nur nicht gegen den König … Stellt die Regierung, die Menschen und seine Kollegen vor Gericht, wagt es aber nicht, irgendwo in die Nähe des königlichen Palastes zu gehen, obgleich selbst das jüngste Kind in dem scherifischen (Nachkomme des Propheten) Königreiches, das ganz nebenbei auf keine Art und Weise noch scherifisch ist, genau weiß, dass selbst die banalsten Entscheidungen nicht ohne das Wissen des Königs getroffen werden. Er schrieb gegen seine Kollegen … Sollen wir ihn jetzt unterstützen? Ich denke, wir haben keine andere Wahl.

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