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CHINA: BRÜCKENSCHLAGEN? INTERVIEWS MIT DEN BRÜCKEN-BLOGGERN

Wie wir alle wissen, boomt die chinesische Blogosphäre. Sie ist eine der Größten auf diesem Planeten, entwickelt sich immer weiter, erhält aber auch immer wieder Rückschläge durch die berüchtigten Zensoren der Regierung. Gemäß Li Datong wird die Zivilgesellschaft des Landes online durch den intensiven Cyber-Widerspruch und den Bruch des Grünen Dammes im letzten Sommer erneuert. Seiner Ansicht nach wird die Unzufriedenheit mit der chinesischen Regierung in dem Online Umfeld nicht nur immer extremer, sondern solche Meinungen werden auch öfters von offizieller Seite beachtet, zum Beispiel die Art der Berichterstattung über die Unruhen in Tibet Anfang 2008.

Aber wie passt dieses Brücken-Bloggen (das Schreiben und Übersetzen, in diesem Fall, von chinesischen und China-basierenden Blogs ins Englische) in dieses Online Make-up? Was versuchen sie zu erreichen? Und wie, wenn überhaupt, helfen sie dabei eine weniger schwarz-weiße Kommunikation mit dem Westen zu fördern? Das sind die Fragen, die ich diese Woche verschiedenen Brücken-Bloggern in der Volksrepublik, stellte.

chinaSmack, ein Blog mit Schwerpunkt auf Unterhaltung, geht davon aus, dass “Übersetzen und Teilen dessen, was in Chinas Internet am heissesten oder lebendigsten ist, zusammen mit den Kommentaren der chinesischen Netizen selbst, ausländischen Netizen dabei hilft, die moderne chinesische Gesellschaft besser zu verstehen, sodass sie begreifen, dass Chinesen und Ausländer in Wahrheit nicht sehr unterschiedlich sind.” Fauna, der Übersetzer der Webseite möchte “zeigen, dass Chinesen auch Menschen sind.”

Das lässt vermuten, dass die ausländische Leserschaft mit den Eindrücken über China und die damit verbundene Medien-Einseitigkeit der Berichterstattung über die Nation unzufrieden ist. Wir kennen alle nur zu gut die dominierenden westlichen Diskussionen über die wiederholten Verletzungen der Menschenrechte, die kontroverse Behandlung ethnischer Unruhen in Xinjiang und Tibet, die ‘Great Firewall’, intensive Medienzensur und die von Medienfachleuten gemachten Erfahrungen, wenn sie der Parteilinie nicht gehorchen (in dem von ‘Reporters without Borders’ kürzlich veröffentlichten Bericht Press Freedom Index (Pressefreiheit-Index) kam China unter 175 Ländern auf Platz 168). Wie groß auch immer diese Diskussionen sein mögen, selten folgt ihnen ein kulturelles Verständnis: uns fehlt eine vielschichtigere Wertschätzung über Chinas Vergangenheit in Bezug auf den ausländischen Imperialismus, die enorme Armut, die Volksrevolution und die gesellschaftlichen und kulturellen Eigenschaften, die uns sonst dabei helfen würden, besser zu verstehen, warum solche Maßnahmen vorgenommen wurden.

Für Jeremy Goldkorne, Gründer von Danwei, Brücken-Bloggen erlaubt die Berichterstattung über China zu verbessern und sei es nur aus dem Grund, eine größere Anzahl von Quellen an eine besser informierte Außenwelt weiterzugeben.

Das hat einen Normalisierungs-Effekt (…) Blogs helfen dabei, mehr Einzelheiten über das tägliche Leben in China und wie es gelebt wird zu verbreiten.

Goldkorn hat Danwei in 2003 gegründet, um, wie er meint, die atemberaubenden Veränderungen in Chinas Internet aufzuzeichnen, die durch die Blogosphäre und BBS Foren hervorgerufen wurden, was im Westen kaum jemanden bekannt war. Gleichzeitig erfahren die Chinesen selbst mehr über den Westen, seine Lebensarten und Eindrücke über China.

Für einige war dieses anfängliche Brücken-Bloggen jedoch nur teilweise eine Antwort auf die enge Einrahmung durch die westlichen Medien. Cheng Lingcao gründete Fool’s Mountain in 2006 aus Frustration über die Praktiken der chinesischen Medien, vornehmlich die Verhaftung von Blogger Wu Hao, und Chengs eigenem Wunsch bei der Online Kampagne für die Befreiung von Wu mitzuhelfen. Aber genau wie Goldkorn fühlte auch Cheng, dass die wachsenden Online Debatten In China ins Englische übersetzt werden sollten, um eine größere Leserschaft zu erreichen, mit der Absicht Dialoge, aber keine Konfrontation, herzustellen.

Trotz aller Brücken-Bloggen-Versuche zur Vertiefung sowohl der westlichen als auch der chinesischen Perspektiven von einander, gibt es Mängel. ChinaGeeks Gründer Charles Custer behauptet:

s ist gefährlich anzunehmen, wir bieten mehr als nur eine ‘Kostprobe’. Das chinesische Internet ist riesig und es gibt dort draußen Millionen von Meinungen. Zeitliche Beschränkungen allein zwingen uns zum sorgfältigen Auswählen, weshalb offensichtlich ‘die chinesische Perspektive’ nicht wiedergegeben wird (ich möchte behaupten, dass es so etwas garnicht gibt) und alles wird durch eine ausländische Linse betrachtet, d. h. Nicht-Chinesen treffen die redaktionellen Entscheidungen über das was übersetzt werden soll und was nicht.

Der Auswahlprozess über das, was übersetzt werden soll, unterliegt keinen Richtlinien. Gemäß Goldkorn basiert vieles auf ‘Bauchgefühl’ und auf etwas, dass die Leser nicht erwarten mögen, alles im Zusammenhang mit einem sich verändernden China.

Aber nach der Ansicht eines Mitwirkenden bei ‘Fool’s Mountain’, der gerne anonym bleiben möchte, ist es gerade dies, was das Kästchen “Anti-Chinesisches Verhalten” antickt. Als Beispiel nennt er den Kommentar von James Fallow in ‘Atlantic Monthly’ über die Einstellungen der chinesischen Blogger gegenüber Rassismus nach der Teilnahme einer mischrassigen Shanghainesin bei einem Schönheitswettbewerb. Fallow quotierte viele Berichte bei ChinaSMACK, welche nach Meinung des anonymen Blogger

außerordentlich rassistisch und bösartig (…) waren. Als ich mir die Geschichte etwas näher ansah, stellte ich fest, dass die ChinSMACK Story nicht nur unvollständig, sondern auch extrem voreingenommen war. Zwar wurden ein paar rassistische Kommentare übersetzt, um die Argumente zu betonen, aber die Mehrheit der sympathischen Bemerkungen in Chinas Blogosphäre gegen Rassismus wurden vollständig ignoriert.

Zwar können wir dieses einzelne Beispiel nicht zur Verallgemeinerung der gesamten Blogosphäre benutzen, doch zeigt es die potenziellen Probleme, denen sich die Brücken gegenübersehen. Fallow selbst sagte:

das ist keine “Beschuldigung Chinas”, sondern eine von vielen Illustrationen über die Unterschiede in der täglichen sozialen Wirklichkeit und erkannten gegenüber von ignorierten Spannungen in bestimmten Schichten der Gesellschaften.

chinSmack stimmte Fallows zu. Fauna sagte mir:

Meine Post war über “Lou Jing Abused by racist Netizen” (Lou Jing von rassistischen Netizen beleidigt) (…). Ich glaube nicht, dass es meine “Pflicht” ist, die Leute darauf hinzuweisen, dass nicht alle Chinesen Rassisten sind. Mein Artikel soll keine “Klarstellung” sein. Mein Artikel ist die Übersetzung einer Story, die im chinesischen Internet verbreitet wird.

Neben solchen Problemen gibt es auch mehrere praktische Schwierigkeiten: die Große Firewall zu überwinden, die Initiativen finanziell aufrecht zu erhalten und Leute, die nicht Englisch sprechen in die Dialoge einzubinden, machen dies zu einer relativ schwachen Brücke. Es ist aber ein Versuch in die richtige progressive Richtung, die ein tieferes Verständnis auf beiden Seiten des Globus fördert und die Kreuzungen, an denen sich der Westen und China heute befinden, verbindet.

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