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Demokratische Republik Kongo: Die Kämpfe gehen weiter

Während die Welt Barack Obamas Sieg bei der Wahl zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten feiert, erinnert AfroSpear daran, dass der Konflikt in der Provinz Nord-Kivu der Demokratischen Republik Kongo nicht zu Ende ist:

In this era where a man of African descent has secured the throne of the most powerful nation of the world, a tragedy of enormous proportions continues to be played out in the Democratic Republic of Congo. It is indeed easier to sell a “message of hope” in political change to cure what ails us… than to “commit to action” so as to change a situation of recurring despair and destruction.

In diesen Zeiten, in denen ein Mann von afrikanischer Abstammung sich den Thron der mächtigsten Nation der Welt gesichert hat, spielt weiter eine Tragödie von enormen Ausmaßen in der Demokratischen Republik Kongo. Es ist wirklich einfacher, eine Nachricht der Hoffnung auf politischen Wandel zu verkaufen, als sich zur Tat zu verpflichten, um eine Situation von andauernder Hoffnungslosigkeit und Zerstörung zu ändern.

Im Untold Stories Blog des Pulitzer Center of Crisis Reporting schreibt Michael Kavanagh aus Goma:

There are now more than one million people who have fled their homes in North Kivu, and very few are receiving any humanitarian aid. Before last week's fighting, most were getting by through the generosity of neighbors who hosted the displaced in their homes and yards and farms. Now those host families are displaced, too. People are fleeing into forests, to churches, to schools […]

Über eine Million Menschen sind bis jetzt aus ihren Häusern in Nord-Kivu geflohen, und nur wenige bekommen humanitäre Hilfe. Bis zu den Kämpfen der letzten Woche konnten die meisten dank der Großzügigkeit von Nachbarn überleben, die die Vertriebenen in Haus und Hof aufnahmen. Jetzt wurden auch diese Gastfamilien vertrieben. Die Menschen fliehen in Wälder, Kirchen, Schulen […]

Nach Kämpfen in der Gegend fliehen Dorfbewohner aus Kibati in Richtung Goma. Foto: Julien Harneis

Am 7. November, dem letzten Freitag, riefen die afrikanischen Staatschefs der Region auf einem von den Vereinten Nationen unterstützten Gipfel in Nairobi zu einem sofortigen Waffenstillstand im Ost-Kongo auf, sowie zur Einrichtung eines humanitären Korridors, um den vielen hunderttausend Vertriebenen der jüngsten Krise die notwendige Hilfe zukommen zu lassen. Auf dem Gipfel, zu dem die Afrikanische Union (AU) eingeladen hatte, kamen der Präsident des Kongo Joseph Kabila und der Präsident des an Nord-Kivu angrenzenden Ruandas Paul Kagame zusammen, außerdem die Staatschefs von Kenia, Uganda, Tansania, Burundi und Südafrika.

Schon am 29. Oktober war von der von Laurent Nkunda geführten Rebellenbewegung CNDP einseitig ein Waffenstillstand verkündet worden. Aber sogar während des Gipfeltreffens wurde von schweren Zusammenstößen der FARDC (der kongolesischen Armee) und der CNDP in verschiedenen ländlichen Gebieten berichtet, unter anderem auch in Kibati, ungefähr 9km nördlich von Goma. Weitere Menschen seien vertrieben worden. Dawn Hurley, eine in Goma lebende Amerikanerin kommentiert die Situation:

Nkunda claims that he has not broken his self-proclaimed cease-fire and that he has merely fought off attacks from the government. But this distinction is hard to understand at best. Nkunda's rebels have taken two towns in the North, forcing the population to flee further. They have also retaken the town of Kiwanja. The town of Kiwanja was under Nkunda's control until Tuesday when another rebel group allied with the government retook the town in a surprising show of power. This lead to bitter fighting between the two groups, and eventually Nkunda's rebels reclaimed the town. However there are wide spread reports that many civilians were killed by Nkunda's forces as they reclaimed the town, apparently in a retaliatory fashion.

Nkunda behauptet, den von ihm selbst verkündeten Waffenstillstand nicht gebrochen zu haben, und dass er nur die Angriffe der Regierung abgewehrt habe. Aber bestenfalls ist diese Unterscheidung kaum wahrzunehmen. Nkundas Rebellen haben auch zwei Städte im Norden zurückerobert und die Bevölkerung gezwungen, noch weiter weg zu fliehen. Sie haben auch die Stadt Kiribati zurückerobert. Die Stadt Kiwanja war unter der Kontrolle von Nkunda bis Dienstag, als eine andere – regierungsnahe – Rebellengruppe die Stadt in einer erstaunlichen Demonstration ihrer Stärke zurückholte. Es folgten erbitterte Kämpfe zwischen den beiden Gruppen und schlußendlich reklamierten die Rebellen von Nkunda die Stadt für sich. Aber von verschiedenen Seiten wird berichtet, dass viele Zivilisten von den Kräften Nkundas bei der Rückeroberung der Stadt getötet worden seien. Es handele sich dabei offenbar um Racheakte.

Mittlerweile hat eine Untersuchungskommission der MONUC Kiwanja nördlich der Stadt Rutshuru besucht, nachdem Berichte eingegangen waren, während der Kämpfe seien etliche Zivilisten getötet worden, darunter ein kongolesischer Journalist, Alfred Nzonzo Bitwahiki, der für das Lokalradio Ushikira (Racou) gearbeitet habe. Colette Braeckman, belgische Journalistin und Autorin mehrerer Bücher über Zentralafrika fragt sich:

Des civils massacrés pratiquement sous les yeux de Casques bleus impuissants ou indifférents: Kiwanja sera-t-il un Srebrenica congolais ?

Zivilisten wurden praktisch unter den Augen von ohnmächtigen oder gleichgültigen Blauhelmen massakriert: Wird Kiwanja zum kongolesischen Srebrenica?

Um zu dokumentieren was derzeit vor Ort passiert, hat Ushahidi seine Software in der Demokratischen Republik Kongo freigeschaltet, die sich schon während der Gewaltausbrüche nach den Wahlen in Kenia und im Mai während der fremdenfeindlichen Angriffe auf Immigranten in Südafrika bewährt hatte. Das Werkzeug Ushahidi, auf Swahili Zeuge, erlaubt jedermann, Kriseninformationen in Form von Textnachrichten mittels eines Mobiltelefons, mittels e-Mail oder mittels eines Web-Formulars einzugeben und sie auf einer Karte oder Zeitschiene anzuzeigen. Die Telefonnummer für SMS-Berichte ist +243992592111 und die Internet-Seite zum Betrachten der Berichte ist http://DRC.ushahidi.com.

Einer der Berichte über die Vorfälle, die schon auf der Ushahidi-Seite für den Kongo zu finden sind, bezieht sich auf die Tötung eines Lokaljournalisten in der Gegend von Kiwanja:

One of our facilitators for community radio (Ushirika) was killed in Rutshuru.

The Kiwanja Nehemiah Committee president has fled, the parish is more insecure.

We have had some contact with Kibirizi, but phone contact there is difficult. I'm in permanent contact with the Nehemiah Committee in Kiwanja and Rutshuru. Our superviser has been visited three times in a row by uniformed men in his house in Kiwanja.

Einer derer, die unser Lokalradio ermöglicht haben (Ushirika) wurde in Rutshuru getötet.

Der Vorsitzende des Nehemia-Komitees ist geflohen, die Gemeinde ist jetzt weniger sicher.

Wir konnten Kontakt mit Kibirizi aufnehmen, aber der Telefonkontakt dorthin ist schwierig. Ich bin in dauerndem Kontakt mit dem Nehemia-Komitee in Kiwanja und Rutshuru. Unser Supervisor wurde drei Mal hintereinander von Uniformierten zu Hause aufgesucht.

Weitere Berichte sind in diesem Blog-Eintrag von Helfern der Hilfsorganisation Internationales Rettungskomitee von Nord-Kivu zu finden oder in diesem Tagebuch eines anderen Helfers in der Gegend im Alertnet Blog.

Vor einigen Tagen fragte BBC-Afrika in “Have Your Say” sein Publikum: Warum kann der Kongo den Frieden nicht halten? Hier eine kleine Auswahl der Antworten kongolesischer Leser:

Joseph aus Goma:

The whole problem stems from the DRC government in the 1990's not fulfilling their promise to hunt down the killers during the Rwandan Genocide. They promised Rwanda they would hunt down and kill those Hutu's who fled into Congo that took part in the genocide and they never did. Rwanda and the rebels were forced to take matters into their own hands because of the poor leadership in Congo which backtracked on their promise. I love my country but our leadership is hopeless.

Der Ursprung der Probleme ist, dass die Regierung des Kongo in den 1990er Jahren ihr Versprechen nicht wahr gemacht hat, den Mördern des ruandischen Genozids nachzugehen. Sie hatten den Ruandern versprochen, sie würden den in den Kongo geflohenen und am Genozid beteiligten Hutus nachgehen und sie töten, aber sie haben es nie getan. Ruanda und die Rebellen waren gezwungen, die Sache in die Hand zu nehmen wegen der schwachen Führung im Kongo, die sich an ihr Versprechen nicht hielt. Ich liebe mein Land, aber unsere Führung ist hoffnungslos.

Davis Tara aus Kinshasa:

DRC can have peace only when her leaders develops political will to end war. It seems kabila is enjoying to have insecurity in that part of his country so as to scare off polical opponents.

Die Demokratische Republik Kongo kann nur in Frieden leben, wenn ihre Führung den politischen Willen entwickelt, den Krieg zu beenden. Es scheint so, als ob Kabila die Unsicherheit in dieser Gegend des Landes passt, weil sie politische Gegner abschreckt.

Dr Paul Kabasele, ein Kongolese in London:

The international community has been risponsible for the Hutus crossing the borders after the genocide, why shouldn't the same community sort out this mess?

Die internationale Gemeinschaft war verantwortlich dafür, dass die Hutus die Grenzen nach dem Genozid überquert haben, warum sollte nicht ein- und dieselbe Gemeinschaft dieses Durcheinander in Ordnung bringen?

Auch Michelle F. vom Stop Genocide Blog hat ihre Meinung zum Frieden in Kongo:

If some degree of security can be established in the Eastern DRC, it will not be sustained without serious reforms to the Congolese military. The FARDC, beyond being under-resourced and generally incompetent, is responsible for some of the worst abuses committed against Congolese civilians, including enthusiastic participation in the brutal epidemic of rape that has become a hallmark of the conflict.

Wenn ein gewisser Grad von Sicherheit im Ost-Kongo etabliert werden kann, wird er nicht ohne ernsthafte Reformen im kongolesischen Militär aufrechterhalten werden können. Die FARDC hat nicht nur zuwenig Mittel und ist insgesamt inkompetent, sondern auch verantwortlich für schlimmste Misshandlungen der kongolesischen Zivilisten, darunter eine enthusiastische Beteiligung an der Epidemie von Vergewaltigungen, die den Konflikt geprägt hat.

Da wir beim vielbeachteten Problem der Vergewaltigung im Kongo sind: Michael Kavanagh vom Pulitzer Center for Crisis Reporting meint, dass Journalisten und Aktivisten darüber mehr schreiben als über den Krieg. Und er fügt hinzu:

The problem with much of the reporting on sexual violence in Congo – my own included, sometimes – is that it lacks context, often because the context is so complicated that journalists and editors decide to gloss over it.

But it needs to be said over and over: rape in Congo is a direct result of the conflict. Rape cases skyrocket after fighting and near frontlines; when fighting dies down so do the number of rapes. Rape is an epidemic born from violence, not an endemic part of Congolese society. The only way to “Stop Rape” is to end the war. It can only happen in that order.

Das Problem mit vielen der Berichte über sexuelle Gewalt im Kongo – manchmal auch meinen eigenen – ist, dass ihnen der Kontext fehlt, weil der Kontext oft so kompliziert ist, dass Journalisten und Redakteure sich entscheiden, über ihn hinwegzugehen.

Aber es muss immer wieder gesagt werden: Die Vergewaltigungen im Kongo sind eine direkte Folge des Konflikts. Die Fälle von Vergewaltigungen schnellen in die Höhe nach Kämpfen und in der Nähe der Front; wenn die Kampfhandlungen dahinschwinden, schwindet auch die Zahl der Vergewaltigungen. Vergewaltigung ist eine Epidemie, die die Gewalt gebiert, nicht eine Krankheit, die der kongolesischen Gesellschaft eigen ist.

Dawn Hurley teilt uns folgende Anekdote mit:

As I was walking around Goma I talked with young one man, who perhaps best summarized the mood of Goma. I asked if he was scared.

He replied “Fear is a luxury for the rich.” If you are poor, what does it matter if you are afraid? There is nothing you can do about it. You can't run away, you can't change anything. You just keep on living. What is the point of being afraid?”

Als ich zu Fuß in Goma unterwegs war, sprach ich mit einem jungen Mann, der wohl am besten die Stimmung in Goma zusammenfasste. Ich fragte ihn, ob er keine Angst habe.

Er antwortete: “Angst ist ein Luxus für die Reichen. Wenn Sie arm sind, was bringt es Ihnen, wenn Sie Angst haben? Es gibt nichts, was Sie tun könnten. Sie können nicht weglaufen, sie können nichts ändern. Sie leben einfach weiter. Was soll da Angst?

Eine ausführliche Liste von Hintergrund-Berichten und Handlungsempfehlungen, sowie Ideen für Aktionen finden Sie auf dem Individual Responsibility to Protect Blog.

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