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Usbekistan: Bloggen fördert Meinungsfreiheit

Das US-Außenministerium hat Usbekistan kürzlich als einer der 10 autoritärsten Staaten der Welt eingestuft. Während fast zwei Jahrzehnten Regierungszeit haben Präsident I. Karimov und sein Clan die Kontrolle über alle Bereiche des Lebens im Land übernommen – politisch, wirtschaftlich und sozial. Die Zivilgesellschaft, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entwickelte, bekam den starken Druck von Karimovs Regime zu spüren, besonders nach den Ereignissen von Andijon im Jahr 2005, die in internationalen Sanktionen gegen Usbekistan resultierten. Der Staat hat die volle Kontrolle über die Massenmedien des Landes. Und obwohl Karimov in seinen Reden demokratische Werte hochschätzt, gibt es in Usbekistan keine Meinungsfreiheit. Dennoch brechen heute die Stimmen mithilfe eines neuen Mediums durch – Blogs.

Einer der Cyberaktivisten ist Gerchik, der auf seinem Blog sozialpolitische Probleme anspricht. In seinem neuesten Eintrag schreibt Gerchik über die Gründe, aus denen Menschen Usbekistan verlassen und listet grundlegende soziale Probleme auf, unter denen seine Gesellschaft leidet [ru]:

1. Stromausfälle in den Städten für zwei Wochen und mehr, sogar an Feiertagen. Grund: unorganisierte Arbeit der Angestellten des staatlichen Elektrizitätsministeriums, die die Stromgebühren einziehen. Darüber hinaus akzeptieren sie Bestechungsgeld, um die Stromzähler „zurückzudrehen“.
2. Die Stromversorgung auf dem Land ist auf 4 Stunden pro Tag begrenzt;
3. Es gibt einen erheblichen Mangel an natürlichem Gas für den öffentlichen Gebrauch, obwohl unser Land über große Gasvorräte verfügt;
4. Ein durchschnittlicher Usbeke kann seine Familie mit einer Arbeit in Usbekistan nicht versorgen, so dass Menschen gezwungen sind, Gastarbeiter zu werden;
5. Eine durchschnittliche usbekische Familie ist nicht in der Lage, ihre Nebenkosten zu zahlen;
6. Die Staatsbeamten sind dreist genug, öffentlich die Lüge zu verbreiten, dass ein durchschnittlicher Usbeke 200 $ pro Monat verdient.
7. Und diese Staatsbeamte werden zum 3. Mal wiedergewählt!

Der Eintrag, der die Realität im Großteil von Usbekistan wiederspiegelt, hat viele Kommentare von Lesern hervorgerufen, die unter den gleichen Problemen leiden. Einer der Kommentare lautet [ru]:

Ich wohne in einem Vorort von Taschkent [Hauptstadt]. Während des gesamten Winters kam es regelmäßig zu Ausfällen des heißen Wassers und Gases. Der Strom fiel mehrmals täglich aus… Meine Eltern leben in Syrdarya. Sie hatten den ganzen Winter über kein Gas. Und auch jetzt ist die Versorgung sehr gering. Die Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser in ihren Häusern und müssen weit gehen, um welches zu bekommen.

In einem anderen Eintrag schreibt Gerchik über die Politik in Usbekistan und stellt seinen Lesern eine Frage, die einer seiner Freunde aufgeworfen hat, der anscheinend versuchte, die Maßnahmen der gegenwärtigen Regierung zu rechtfertigen [ru]:

Stell Dir die folgende Situation vor: Du hast dich lange auf der Karriereleiter hochgearbeitet. Und endlich wirst Du Präsident. Was machst Du? Versuchst Du, Dein Leben zu verbessern, indem Du ein enormes Vermögen anhäufst und den Reichtum Deines Landes nimmst – große Luxushäuser, die besten Markenautos, Yacht, Haus am Meer und große Unternehmen – oder versuchst Du, die Situation im Land zu verbessern, indem Du das ganze Geld für, sagen wir, die Entwicklung der Bildung ausgibst?

Dieser Eintrag provozierte bei Lesern eine hitzige Diskussion. Jeder gab seine eigene Meinung zur Situation wieder.

Es ist schwierig, diese Frage zu beantworten. Warum? Erstens, werde ich nie Präsident. Zweitens liegt das Problem nicht nur beim Präsidenten. Aber wenn ich Präsident werden würde, würde ich zuerst an mich selbst denken. Wer würde das Gegenteil tun? Ich glaube, niemand.

Khorezm schreibt über die letzte Demonstration mehrerer Hundert Frauen im Zentrum von Urganch. Sie klagten über die Verlegung des Marktes in die Vorstädte und über die Verteilung von Geschäften an einen neuen Ort. Laut Khorezm suchten die Protestierenden den Dialog mit dem Gouverneur. Aber als sie sich der Hokimiyat [Stadtverwaltung] näherten, wurden sie von Polizisten aufgehalten [ru]:

Die Menge wurde von einer Kette eines Sonderkommandos gestoppt.. Obwohl die Frauen keine Waffen hatten, trugen die Polizisten Helme und Panzerwesten… Das Ergebnis war ein Verkehrsstau… Die Atmosphäre war angespannt. Ein Gerücht, die Polizisten hätten angeblich eine der Demonstrantinnen geschlagen, verschlimmerte die Situation… Eine mobile Zentrale des Sonderkommandos war zur Stelle, um im Falle einer Verschlimmerung der Situation das Kommando zu drastischeren Maßnahmen zu geben… Die Polizisten schafften es jedoch, die Demonstranten in Gruppen aufzuteilen und die Menge schließlich bis mittags zu sprengen… Die Demonstranten haben beschlossen, ihr Anliegen lokalen Fernsehsendern oder Reportern von Radio Free Europe/Radio Liberty vorzutragen.

Ebenfalls erschienen auf Global Voices Online.

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