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Ägypten: Sieben Jahre für Mord

Ägyptische Blogger freuten sich diese Woche (vergangenen Woche, Anm. d. Übers.) über eine Gefängnisstrafe für korrupte Polizisten, die einen Zimmermann zu Tode gefoltert hatten.
Die Freude ist umso größer, da das Urteil der Verurteilung uniformierter Männer folgte, die Emad Al Kabir gefoltert hatten. Sie hatten mit ihren Handys ihre sadistischen Taten gegen den Busfahrer gefilmt und das Video unter seinen Kollegen verbreitet, um ihn zu erniedrigen. Sie ahnten weder, dass Blogger ihnen bald auf den Fersen sein würden, noch, dass ihr eigenes Mittel zur Demütigung ihres Opfers als Beweismittel gegen sie vor Gericht dienen würde.

Elija Zarwan erklärt:

Kurz nach dem Urteil gegen die Folterer von die Emad Al Kabir, verurteilte ein Gericht in Mansoura vier Polizisten zu Gefängnisstrafen. Sie hatten den Kopf des Zimmermanns Nasr Abdallah gegen eine Wand geschlagen, was zu dessen Tod geführt hatte. Die Polizei hatte versucht, von ihm Informationen zum Versteck seines Bruders zu bekommen, der als Verdächtiger in einem Drogenfall galt. Dieses Urteil ist das härteste, das seit 10 Jahren gegen einen Polizisten wegen Folter verhängt wurde. Drei Polizisten werden eine Haftstrafe von sieben Jahren verbüßen müssen, ein anderer vier – für Folter mit Todesfolge.

Ibn al Dunya geht weiter ins Detail:

Am Dienstag Abend (27.11.07, Anm. d. Übers.) verurteilte das Strafgericht von Mansoura drei Polizisten, einen Hauptmann und zwei Informanten, wegen Folter mit Todesfolge. Ein vierter Beschuldigter bekam ein milderes Urteil von drei Jahren.
Der Vorfall ereignete sich am 31. Juli, als Nasr Ahmed Abdallah, ein Zimmermann, in Untersuchungshaft kam und ohne das Vorliegen einer Anklage festgehalten wurde, während die Polizei in dem 110 km nördlich von Kairo gelegenen Dorf Telbana nach seinem Bruder suchte. Später wurde Abdallah ins Krankenhaus gebracht, wo er schließlich starb. Als Todesursache wurde eine Hirnblutung festgestellt.
Dies ist das härteste Urteil in einem derartigen Fall seit 10 Jahren, so Gasser Abd al Razeq von Human Rights Watch.

Dennoch bleibt Ibn Al Dunya pessimistisch, dass Fälle mit einer solchen öffentlichen Anteilnahme Korruption und Menschenrechtsverletzungen in seinem Land ausrotten werden:

Menschenrechtsorganisationen zufolge ist Folter weit verbreitet und wird systematisch angewandt. Die Regierung dementiert dies, obwohl sie zugibt, dass es gelegentlich Fälle gibt, in denen Einzelpersonen Fehler machen. Diese beiden Urteile sind hoffentlich der Anfang eines neuen Kapitels, in dem Folterfälle mit beteiligten Polizisten und unschuldigen Zivilisten ernst genommen werden. Ich bin da aber sehr pessimistisch. Es gibt genügend Fälle, die darauf hindeuten, dass das Gegenteil immer noch die Norm ist. Nur zwei Tage nach dem Urteil im Fall von Emad Al Kabir kam es zu einem weiteren Todesfall in der Polizeistation von Omraniya. Wenn die ägyptische Regierung etwas gegen dieses Problem unternehmen will, sollte sie die Definition von Folter im ägyptischen Gesetz ausweiten, ganz nach ihrer internationalen Pflicht. Dies wäre ein gutes Zeichen, dass der ägyptische Staat seine Rolle als derzeitiges Mitglied im UN-Menschenrechtsrat ernst nimmt. Ein Schritt in die richtige Richtung wurde kürzlich vom nationalen Menschenrechtsrat getan, was ich begrüße. Es wäre schön, wenn ihre Freunde in demselben Gebäude ihre Arbeit auch beachten würden.

Im Zusammenhang mit einem verwandten Thema äußert sich Ibn Al Dunya beunruhigt darüber, dass die Videoplattform YouTube den Account von Wael Abbas gesperrt hat, der Folter in Polizeistationen ans Licht der Öffentlichkeit gebracht hatte:

Es ist eine Schande, dass YouTube nicht die Gelegenheit nutzt, sich gegen ein derart wichtiges Problem wie Folter zu erheben. BBC hat einen YouTube-„Sender“. Würde jemand auf die Idee kommen, BBC auf YouTube zu sperren, weil hier z. B. Bilder aus Abu Ghraib gezeigt werden?

Wael Abbas sagt (Ar) nun, dass sein E-Mail-Account bei Yahoo seitdem auch deaktiviert ist.

Geschrieben von Amira Al Hussaini.

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