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China: Virtuelle Cops auf Streife

Beijing Virtual Cops
Am 28. August 2007 vom Pekinger Büro für öffentliche Sicherheit veröffentlicht.

Pekings Polizei tritt in die Fußstapfen der Internetpolizei von Shenzhen: In Form von animierten Polizisten, die im Browser des Nutzers aufpoppen, will man auf Websites patrouillieren, die auf Servern in der Hauptstadt liegen. Ab dem 1. September werden die neuen virtuellen Beamten auf 13 chinesischen Portalen aktiv sein – darunter die größten Blog-Plattformen des Landes, Sohu.com und Sina.com. Bis zum Ende des Jahres wird erwartet, dass die digitale Polizei alle in Peking gehostete Websites abdeckt. Laut AP können die Cartoon-Cops alle 30 Minuten über den Bildschirm laufen oder fahren. Die Anwender sollen so gewarnt werden, sich von “illegalen Netzinhalten” und “schlechten Websites” fern zu halten.
“Wir werden die virtuellen Polizisten auch weiterhin ständig überarbeiten und unsere Tipps für Sicherheit im Internet auf dem Laufen halten, um die Wahrnehmung der virtuellen Polizei nutzerfreundlicher zu machen und sie an das Nutzerverhalten weiter anzupassen.”, sagte der Pekinger Minister für Öffentliche Sicherheit gestern.
Glaubt man dieser Aussage, werden die Cartoon-Beamten polizeiliche Hilfe für Surfer anbieten. Ein Klick auf die Zeichnungen wird auf die Website der Behörde führen. Aber ist das der Hauptgrund für Chinas neue Big Brother und Sister?
Am 17. Januar 2006 hat Rebecca MacKinnon, Mitgründerin von Global Voices, auf eine ähnliche Geschichte in der China Digital Times hingewiesen, in dem die gezeichneten Webcops “Jingjing” und “Chacha” vorgestellt wurden, die seit letztem Jahr auf den Websites der südchinesischen Stadt Shenzhen patrouilliere:

jingcha

(…) Ein Beamter der Behörde für öffentliche Sicherheit gab gegenüber Beijing Youth Daily an, die Nutzer daran erinnern, das die chinesische Polizei sie online genauso überwacht wie offline. Mit anderen Worten: Tue nicht im Internet, was du nicht auch auf einem öffentlichen Platz in China tun würdest!

Der Blogger South Puget Sound Libertarian schreibt seine Gedanken über dieses Bild von JingJing, dem Maskottchen der Shenzhener Internetpolizei, auf:

 

jingjing

Man beachte, dass JingJing süß ist. Die chinesische Regierung gibt der Repression nicht das Gesicht eines Orwell'schen Marschstiefels, der das menschliche Gesicht für immer zeichnet. Nein, der Totalitarismus kommt heutzutage hinter der Maske eines süßen Gesichtes. Wie kann man da schon widersprechen? Es ist ja doch nur die Regierung, die versucht dich vor bösen Machenschaften im Netz zu schützen.

Doch die Pekinger Polizei beschränkt sich nicht nur auf die neuen Technologien der Überwachung. An den Eingängen zu Internetcafes hängen sie diese Schilder auf, die ganz klar die Nutzer einschüchtern sollen:

Poster

oben: “Du solltest kein unsoziales Material im Netz verbreiten” unten: “Bitte folgen Sie mir, Sie haben Material veröffentlicht, dass die nationale Einheit gefährdet.

Fotos: Elizabeth Dalziel/AP via freemedia.at.

Die beiden führenden chinesischen Portale Sohu.com und Sina.com, auf denen die virtuellen und “süßen” Polizisten Streife gehen werden, zensieren bereits Jetzt die Beiträge ihrer Nutzer recht aggressiv. Die pekinger Bloggerin Liu Xiaoyuan wirft Sohu.com die Zensur einiger ihrer Beiträge vor und Rebecca MacKinnon schreibt, vier chinesische Anwälte haben gegen die undurchsichtige, willkürliche und unverantwortliche Art protestiert, mit der Sina.com die Beiträge der Blogger in seinem System zensiert hat.

Geschrieben von Sami Ben Gharbia.

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