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Afghanistan: Interview mit Baktash Siawash

In dem folgenden Interview spricht der Blogger und Journalist Baktash Siawash über Zensur, Medien und Blogs in Afghanistan. Siawash schreibt für mehrere Magazine, darunter WashingtonPrismn.

Global Voices: Bitte stell dich und dein Blog kurz vor.

Siawash: Ich heiße Baktash Siawash und lebe in Afghanistan. Mein Blog ist „Schriften von Siawash“ („Neweshtehayeh Siawash“ auf Farsi). Mit dem Bloggen habe ich 2003 in Kabul begonnen. Zunächst nutzte ich die Plattform Persianblog, aber nach einem Artikel über „Üble Hidschab in Teheran“ wurde mein Blog von dem iranischen Anbieter gelöscht. Derzeit kann man mein neues Blog hier finden: http://www.kabul.tchatcheblog.com/.

GV: Wie beurteilst du die gegenwärtige Situation von afghanischen Blogs?

S: Ich denke, das Bloggen begann 2002 in Afghanistan. Es gab einen kleinen Kreis von Bloggern, die von ihrem Arbeitsplatz aus Zugriff auf das Internet hatten. Die meisten von ihnen arbeiteten wohl für NGOs, die UN oder andere ausländische Büros in Afghanistan. Einige Blogs würden auch von Afghanen aus Kanada, den USA oder von anderen Orten betrieben.

2004 stieg die Zahl der afghanischen Blogger auf etwa 300. Laut den Statistiken waren es 2005 schon 900; heute sind es wohl etwa 3000, aber viele von ihnen schreiben nicht einmal monatlich. Wenige sind wirklich aktiv und schreiben in ihren Blogs täglich, wöchentlich oder monatlich. In den meisten Blogs geht es um Poesie, Politik und Kultur.

GV: Es scheint in Afghanistan Meinungsfreiheit und viele freie Stimmen zu geben. Glaubst du, dass Blogs einen Mehrwert für die Redefreiheit darstellen können?

S: Afghanistan hat 70 Radiosender, 400 Magazine, 5 Nachrichtenagenturen und 7 Fernsehsender – es gibt aber nach wie vor keine Meinungsfreiheit. Die Regierung kann kritische Medien und Journalisten nicht akzeptieren. Dafür gibt es viele Beispiele. Narmgo, ein unabhängiger Journalist kam für seine Kritik an einem Minister ins Gefängnis. Die Regierung kontrolliert die Blogs, und zwei Tagen zuvor wurde der unabhängige Journalist und Blogger Kamran Merhazar von der Sondereinheit NDS für einige Tage inhaftiert, weil er auch der Regierung kritisch gegenüberstand.

Diese Beispiele zeigen, dass der Druck auf Blogs und andere Medien steigt. Es wird schwieriger, in Afghanistan mit Zeitungen, Journalen und Blogs zusammen zu arbeiten.

GV: Wie ist das Verhältnis zwischen den neuen und den traditionellen Medien? Gibt es viele Journalisten, die bloggen?

S: Ich denke, dass Blogs in Afghanistan ein neuer Ansatz sind: Einige Zeitungen und Zeitschriften haben Websites und Blogs, aber die Arbeit mit Blogs steckt noch in den Kinderschuhen. Die meisten Politiker, Journalisten und Autoren können nicht einmal E-Mails nutzen. Auch die Elektrizität ist hier ein Problem. Obwohl Kabul die Hauptstadt ist kommt es immer wieder zu Stromausfällen. Zudem kopieren viele Zeitungen aus dem Netz. Besonders oft passiert das bei dem BBC Persian Service: Es wird viel abgeschrieben ohne die Quelle zu nennen. In Afghanistan kümmert sich niemand um Urheberrechte.

GV: Möchtest du einen bestimmten Gedanken mit den Lesern von GV teilen?

S: Ich weiß, dass die meisten Leser von Global Voices Journalisten, Menschenrechter und Verteidiger der Meinungsfreiheit sind. Ich bitte sie, die afghanischen Journalisten und Kämpfer für die Redefreiheit nicht allein zu lassen.

geschieben von Hamid Tehrani

3 Kommentare

  • Lars H. F.

    Ein sehr interessanter Bericht über die Lage der Bloggerlandschaft in Afghanistan. Natürlich stellt sich (wie so häufig) die Frage nach den politischen Implikationen der Schilderungen vor Ort: Was wäre zu tun?

    Bei der Atlantic Community gibt es heute einen Artikel von Niels Annen (SPD), der sich für die ISAF stark macht, die Operation “Enduring Freedom” allerdings als gescheitert betrachtet.

    Vielleicht hat der Eine oder die Andere ja Lust, mitzudiskutieren: Germany Should Reconsider Position in Afghanistan

  • Ich war durchaus überrascht, wie schlecht es um die Meinungsfreiheit in Afghanistan steht – zumindest im Bereich der Menschenrechte war ich davon ausgegangen, dass sich vieles gebessert hätte.

    @ Lars H. F.: Danke für den Link. Ich muss gestehen, dass ich die Seite der Atlantic Community heute um ersten Mal sehe, sie ist gleich in meinen Feedreader gewandert. Die Kritik an OEF wird gerade in der SPD in den letzten Wochen imme lauter – es würde mich nicht wundern, wenn das Mandat dieses Jahr nicht mehr verlängert wird, schon allein um der SPD wieder ein stärkeres Profil zu geben.

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